Was kann ich tun? oder In sieben Schritten vom Raubtier zum Mensch
Stefan Bernhard Eck


Ein satirischer Text für Anfänger und Fortgeschrittene auf dem Weg zur Menschwerdung und zu einem ethischen Tierumgang
 

Das wildeste und gefährlichste Tier auf dem Planeten Erde ist der Raubaffe "Tyrannohomo erectus", ein nahezu unbehaartes, aufrecht gehendes Säugetier. Es gehört biologisch gesehen zur Klasse der Mammalia und zur Ordnung der Primaten. Innerhalb dieser Ordnung wird es auf Grund vieler morphologischer und genetischer Übereinstimmungen mit seinen inzwischen ausgestorbenen Vorfahren sowie mit einigen heute noch lebenden Affenarten, seinen engsten Verwandten, zur Familie der Hominiden gerechnet. Selbst Tyrannosaurus rex, der im Jura seinen Zeitgenossen das Leben ziemlich schwer und noch öfter kurz gemacht hatte, war im Vergleich zu ihm ein relativ harmloses Produkt aus der Experimentierküche der Evolution gewesen. Die Raubaffen haben im Lauf der Evolution kraft ihrer zunehmenden Kognitionsfähigkeit die Spitzenposition in der Nahrungskette als dominierende Carnivora eingenommen. Obwohl sie im Gegensatz zu anderen Raubtieren nicht auf Fleisch zum Überleben angewiesen waren, weil es ihnen recht bald gelungen war, sich mit wohlschmeckenden und gesunden pflanzlichen Nahrungsmitteln ausreichend zu versorgen, blieb der größte Teil dieser Spezies seiner archaischen Ernährungsweise verhaftet. So durchstreiften sie in ihrem Drang nach blutiger Beute und nach oralem Lustgewinn seit rund 1.5 Millionen Jahren diesen Planeten. Um ihr unstillbares Verlangen nach blutiger Kost effizienter zu befriedigen, begannen sie ihre Beutetiere zu züchten. Durch ihren nicht minder ausgeprägten Trieb zur Reproduktion nahmen sie auch das letzte Fleckchen Erde in Besitz und bevölkerten es mit ihrer Art, fraßen die dort ansässigen Nahrungskonkurrenten entweder auf oder rotteten die unliebsamen Mitbewohner systematisch aus, um Platz für ihre domestizierten Beutetiere zu schaffen. Um ihre Reviere auszudehnen und damit Vorteile für das eigene Rudel sich zu verschaffen, schreckten sie auch nicht davor zurück, Mitgliedern der eigenen Spezies den Gar auszumachen. Daran hat sich bis heute grundsätzlich nichts geändert. Ich spreche vom "Raubaffen Mensch".

Nie zuvor war der Konsum von Fleisch und anderen Tierprodukten so hoch wie in diesem Jahrhundert. Nie zuvor hat die Befriedigung der Interessen des "menschlichen" Raubtieres zu so viel Leid und dem Tod so vieler anderer Tiere geführt. Nie zuvor war das empfindliche Ökosystem Erde durch einen seiner Bewohner so in Gefahr wie heute. Der "Raubaffe Mensch" - ein Irrläufer der Evolution? Vieles spricht dafür, denn er sägt an dem Ast, auf dem er sitzt. Obwohl 99 Prozent aller Tierarten, die Mutter Natur hervorgebracht hatte, wieder vom Antlitz der Erde verschwunden sind, bleibt trotzdem festzustellen, dass im Großen und Ganzen in ihrer Hexenküche recht ordentlich und sauber gearbeitet wurde, denn das Verschwinden jener Tierarten hatte extraterrestrische Ursachen oder lag an globalen Veränderungen der damals noch jungen und ungestümen Erde.

Aber beim "Raubaffen Mensch" drängt sich leider der Gedanke auf, dass gravierende Konstruktionsfehler begangen wurden. Bei der Entwicklung der Schaltkreise der cerebralen Areale kam es - bei allem Respekt vor der Leistung der Evolution - zu einer verhängnisvollen Schlamperei. Eine Spezies wurde erschaffen, deren primärer Trieb darin besteht, ohne zwingende Notwendigkeit sich selbst und anderen Tieren ans Leder zu gehen. Pathologisch äußerst verdächtig! Rund 6 Milliarden defekte Schaltkreise tummeln sich nun in einer äußerst empfindlichen Biosphäre und ein Rückruf zur Defektbehebung oder eine Zwangseinweisung in ein forensisches Institut sind unmöglich. Ist die Katastrophe unvermeidbar?

Nicht ganz!

Wir müssen nur selbst Hand anlegen, unsere Raubtiernatur ein wenig manipulieren und durch die Installation eines Hilfsprogramms unsere defekten Schaltkreise überbrücken, um aus dem Raubtier einen Mensch zu machen. Nun werden vielleicht einige Leser/innen aufschreien: "Nur der Natur nicht ins Handwerk pfuschen!" und vergessen dabei ganz, dass ihr Appendix sie eines Tages zwicken und zwacken könnte, und sie dann auch in einen natürlichen Prozess eingreifen werden. Falls Sie nicht gewillt sind, der Natur ins Handwerk zu pfuschen, ist Ende der Vorstellung angesagt, nämlich dann, wenn der entzündete Binddarm sich zur handfesten Peritonitis auswächst.

Also zaudern Sie nicht länger, und machen Sie mit mir Ihre ersten Schritte zur "geistigen (R)Evolution". Ich habe sie recht und schlecht hinter mich gebracht, und Sie können das auch! Ich werde Ihnen mit einigen Ratschlägen bei der Überbrückung Ihrer Schaltkreise und bei Ihrer Umprogrammierung zur Seite stehen und Sie damit ein kurzes Stück auf Ihrem Weg vom Raubtier zum Mensch begleiten.

Auf geht's!

Der erste Schritt:

Der Satz "Am Anfang war das Wort." gilt auch für Ihren persönlichen Weg zu einem ethischen Tierumgang und zu Ihrer Menschwerdung. Mit anderen Worten: Ohne INPUT kein OUTPUT. Machen Sie sich deshalb zuerst mit den Ethik-Konzepten der Tierrechtsbewegung näher vertraut. Je mehr Sie über die Verwerflichkeit und Unhaltbarkeit des Herrschaftsanspruches über unsere Welt durch den "Raubaffen Mensch" erfahren, je mehr Ihnen die Absurdität der herkömmlichen anthropozentrischen Ethik bewusst wird, je mehr Sie sich über das Elend der Tiere und ihre Ausbeutung informieren, desto entschlossener und mutiger werden Sie Ihren weiteren Weg beschreiten. Empfehlenswert sind Bücher von Peter Singer, Tom Regan, Helmut Kaplan, Jean-Claude Wolf und einigen anderen Autoren. Auch die Internet-Seiten einiger Tierrechtsorganisationen befassen sich mit dem Thema Tierethik und können durchaus hilfreich sein.

Mein Tipp: Eine wiederholte Beschäftigung mit dieser lehrreichen Lektüre wirkt geradezu prophylaktisch bei auftretenden Verdrängungssymptomen und Rückschlägen bei der Umstellung Ihrer Ernährungsweise, die wir im dritten Schritt besprechen werden.

Der zweite Schritt:

Was Sie bei Ihrer Lektüre über Tierethik und Tierrechte erfahren haben, war sicherlich weder erbauend noch sehr schmeichelhaft für Ihr bisheriges Selbstverständnis und Weltbild. Aber Sie wissen nun Bescheid. Sie haben sich entschieden, von der Ausbeutung der Tiere, von diesem unbeschreiblichen Unrecht Abstand zu nehmen und sollten nun die Früchte Ihrer gewonnenen Erkenntnisse im alltäglichen Leben auch umsetzen. Selbstverständlich wäre es wünschenswert, wenn es Ihnen von heute auf morgen gelänge, vollständig auf Tierprodukte zu verzichten. Aber dies gelingt nur ganz selten; zu stark ist die Gegenwehr Ihres raubtierhaften Egos. Mit anderen Worten: Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Oder noch anders ausgedrückt: Das Fleisch ist zu billig und der Geist wird schwach.

Deshalb rate ich Ihnen bei Ihrer Ernährungsumstellung langsam vorzugehen. Verringern Sie in der Anfangsphase Ihren Fleischkonsum kontinuierlich, aber konsequent. Anstatt Billigfleisch kommt selbstverständlich nur noch teueres Bio-Fleisch auf den Tisch; das wird Ihnen zusätzlich den Appetit auf die blutige Kost verderben. Durch Ihre fleischlosen Tage werden Sie sehr schnell herausfinden, wie wohlschmeckend eine pflanzliche Ernährungsweise in Wahrheit ist, und dass Sie auch gut ohne Rindersteak, Lachsfilet oder Hähnchenkeule auskommen können. Setzen Sie sich ein festes Datum, ab dem überhaupt kein Fleisch mehr auf Ihren Teller kommt. Damit hätten Sie die erste Hürde auf Ihrem Weg zu einem ethischen Tierumgang und zu Ihrer Menschwerdung genommen. Selbstverständlich ist Ihnen mittlerweile auch eine Bekleidung aus Pelz, Leder oder Seide ein Dorn im Auge.

Mein Tipp: Falls Sie noch mit keinem vierbeinigen oder flatternden "Hausfreund" Ihre vier Wände teilen, sollten Sie sich im nächsten Tierheim schleunigst umsehen. Sie werden Ihren neuen Mitbewohner recht bald ins Herz geschlossen haben. Und wenn dann ganz zufällig ein Stück Fleisch auf Ihrem Teller liegen sollte, stellen Sie sich bildhaft vor, dass es von Ihrem geliebten "Hausfreund" stammt. Würden Ihnen flambierte Katzenzungen oder Dackelleber mit Röstzwiebeln wirklich munden? Wenn Sie bei diesem Gedanken keinerlei Aversionen gegen das Stück "Beutetier" auf Ihrem Teller verspüren, ist der Defekt in Ihrem limbischen System - das ist derjenige Teil unter Ihrer Schädeldecke, der unter anderem für emotionale Reize zuständig ist - überdurchschnittlich stark ausgeprägt. Zu Risiken und Nebenwirkungen wenden Sie sich sicherheitshalber an Ihren Hausarzt oder Psychiater.

Der dritte Schritt:

Selbst kein Tierleid verschulden, ist Ihnen nicht mehr genug. Sie wissen, dass gleichzeitig millionenfaches Leid geschieht. Ihre "geistige (R)Evolution" und Ihr "Rudelinstinkt" drängen Sie zur organisierten Bewegung zum Schutz und für die Rechte der Tiere, zum gemeinsamen Aktivwerden mit Gleichgesinnten. Ihre Solidarität bleibt nicht auf das "Mit-leiden" beschränkt, weil "Mit-leiden" allein zu keiner Veränderung führt. Ihre Solidarität nötigt Sie zum persönlichen Engagement für diejenigen, die sich selbst nicht wehren können. Sie wollen aktiv werden, endlich dem erklärten Gegner Ihre "Raubtierzähne" zeigen und suchen nach einem geeigneten "Rudel". Ihr Beschützerinstinkt ist erwacht. Ihrem Drang zum Aktivwerden sind kaum Grenzen gesetzt: Leserbriefe, Petitionen, Demos, Mahnwachen, Tierrettung, karitativer Tierschutz und vieles mehr. In Verbänden, Vereinen, Arbeitskreisen oder autonomen Gruppen können Sie mitarbeiten und erhalten wichtige Ratschläge, die Ihnen das Alltagsleben in dieser schwierigen Umstellungsphase Ihrer Menschwerdung leichter machen. Sie tauschen Erfahrungen aus, finden neue Freunde und erkennen, dass Sie nicht der Einzige sind, der aus seinem "Mit-leiden" mit den Tieren persönliche Konsequenzen gezogen hat.

Mein Tipp: Hüten Sie sich vor jenen dubiosen "Raubaffen-Banden", die zwar die Menschwerdung und den ethischen Tierumgang auf Ihre Fahnen schreiben, aber trotz aller Beteuerungen und angeblichen Tierliebe auf die Lustobjekte ihrer Geschmacksknospen nicht verzichten wollen. Das richtige "Rudel" zu finden, ist entscheidend für einen weiteren Erfolg. Bleiben Sie Ihren Vorsätzen treu - um der Tiere und Ihrer Selbstachtung willen. Bei Ihrer Suche nach dem geeigneten Rudel fragen Sie beiläufig, welche kulinarischen Köstlichkeiten bei der letzten Vereinsfeier aufgetischt wurden. Sie akzeptieren weder das Schreien der Lämmer noch das Schweigen der Schlemmer, denn Sie wollen sicherlich nicht mit Ihren Mitgliedsbeiträgen einen geschmorten Lammrücken subventionieren.

Der vierte Schritt:

Sie haben es also geschafft! Sie sind Vegetarier geworden, genauer gesagt Ovo-Lakto-Vegetarier. Ihre "geistige (R)Evolution" zeigt eindeutige Erfolge - auf Ihrem Teller und in Ihrem Engagement für die Tiere. Gratuliere! Falls Sie auf Eier und Milchprodukte noch nicht verzichten wollen - von "können" kann absolut nicht die Rede sein bei Ihrer Willensstärke - dann achten Sie darauf, dass Sie Ihren Verzicht auf fleischliche Nahrungsmittel nicht mit Eiern oder Käse kompensieren. Legehennen und Milchkühe sind schließlich auch empfindungsfähige Lebewesen, die ein erbärmliches Leben führen müssen und letztendlich im Schlachthaus landen, weil bei Ihnen noch Frühstücksei und Käsebrötchen hoch im Kurs stehen. Außerdem werden Sie durch fetthaltige Milchprodukte dick und potthässlich und Ihre Blutgefäße kleben durch Cholesterin langsam aber sicher zu. Arteriosklerose, Herzinfarkt, Hirninfarkt und ab in die Kiste. Mahlzeit! Wenn Sie sich noch nicht unter Kontrolle haben, dann rate ich zu Bio-Käse ohne Kälberlab mit ganz geringem Fettgehalt. Das ist gesünder, und den Tieren geht es auf dem "Bio-Bauernhof" ein ganz klein wenig besser.

Aber Sie beginnen, auch Ihren Konsum von Milchprodukten und Eiern verstärkt zu hinterfragen. Ich bin sicher, dass Sie sich mit dieser Problematik nach einiger Zeit auch auseinandersetzen werden. Dazu kommt es zwangsläufig, weil es logisch ist. Und Sie sind doch ein logisch denkendes Wesen! Vielleicht dauert es nur Monate, vielleicht dauert es ein paar Jahre, aber eines Tages wird sich Ihr "Gewissen" bzw. Ihre Vernunft melden und Sie mit dem Leiden und Sterben der Turbokühe, der Kälber und der Hybridhühner konfrontieren. Und dann müssen Sie Farbe bekennen. Da Sie auf Ihrem Weg zur Menschwerdung und zu einem ethischen Tierumgang schon so weit gekommen sind, bin ich guten Mutes, dass Sie auch dieses Etappenziel erreichen werden. Verringern Sie also Ihren Konsum an Eiern und Milchprodukten Woche für Woche, indem Sie diese Tierqualprodukte kontinuierlich durch wohlschmeckende und kalorienarme Soja- und Tofu-Produkte ersetzen. Essen Sie vermehrt Reis, Nudeln, Brot und Hülsenfrüchte mit ballaststoffreichem Gemüse und zwischendurch viel Obst. Sparen Sie nicht an intensiven Gewürzen; auch Ihre Zunge hat ein Recht auf kleinere Erlebnisse! Und schauen Sie ruhig öfter auf Ihre Figur und auf Ihre Waage. Die Auswirkungen der "Fraßkultur" schrumpfen proportional mit Ihren Erfolgen auf dem Weg zu einem ethischen Tierumgang. Treiben Sie ein wenig Sport; das kann vor allem Ihr Nervenkostüm gut gebrauchen, denn das Tierleid, mit dem Sie bisher konfrontiert wurden, hat vielleicht Spuren hinterlassen. Sport beruhigt, und außerdem verbrennt Ihr Metabolismus auch noch schneller die überflüssigen Pfunde. Setzen Sie sich für Ihr dieses Etappenziel auch ein festes Datum, ab dem Sie die tierquälerischen Milch- und Eierprodukte ganz weglassen wollen. Übrigens: Honig sollten Sie auch aus Ihrem Speiseplan streichen. Auf dieses klebrige Zeug können Sie doch leicht verzichten!

Mein Tipp: Falls Ihnen der Verzicht auf Milch, Käse und Eier Schwierigkeiten bereitet, schauen Sie sich Fotografien aus Legehennen-Batterien und aus der Kälbermast an. Empathische Autosuggestion kann Wunder bewirken. An die Mär der glücklichen Hühner oder der permanent Milch gebenden Kühe glauben Sie ohnehin nicht mehr. Oder haben Sie tatsächlich nicht gewusst, dass eine Kuh nur dann Milch geben kann, wenn sie zuvor ein Kälbchen geboren hatte? Sie bzw. Ihre Frau hat die Milchbar ja auch nur nach einer Schwangerschaft geöffnet. Oder etwa nicht?

Der fünfte Schritt:

Sie ernähren sich mittlerweile so gut wie tierproduktfrei - vegan also. Unter diesem Begriff können sich noch nicht alle Raubaffen etwas vorstellen, wurde ich doch tatsächlich kürzlich gefragt, woher ich komme, als ich in einem Restaurant erklärte, ich sei Veganer. Also bleiben wir bei dem Wort "tierproduktfrei". Sie sind auf Ihrem persönlichen Weg zu einem ethischen Tierumgang und zu Ihrer Menschwerdung einen gewaltigen Schritt vorangekommen. Zwischenzeitlich wurde Ihr Engagement für den Schutz und die Rechte der Tiere zu einem festen Bestandteil Ihrer Freizeit. Ich beglückwünsche Sie! Ab jetzt können Sie getrost den Titel "Mensch" für sich in Anspruch nehmen.

Wir können uns also den Feinheiten widmen. Auch das werden Sie schaffen, da bin ich ganz sicher. Sie haben bewiesen, dass Sie eine willensstarke Persönlichkeit sind. Ihre Zunge diktiert nicht mehr Ihr Leben, sondern einzig und allein Ihr Intellekt. Fantastisch!

Achten Sie nun verstärkt darauf, dass Sie auch von Produkten Abstand nehmen, die eindeutig und leicht ersichtlich Eier, Milch oder sonstige Tierbestandteile als Inhaltstoffe ausweisen. Eier-Nudeln, Rahm-Spinat, Sahne-Dressings, Milchschokolade, Mayonnaise aber auch "vegetarische Produkte" mit Eiklar oder Laktose streichen Sie nach und nach von Ihrem Einkaufszettel. Selbstverständlich achten Sie nun auch beim Kauf Ihrer Bekleidung mehr und mehr auf tierproduktfreie Materialen. Aber tragen Sie ruhig Ihre alten Kleidungstücke auf - wenn nicht gerade ein Pelzmantel oder die Wildlederjacke darunter ist - denn wie bei fast allen Konsumgütern ist auch die Herstellung und der Vertrieb von tierproduktfreien Textilien indirekt mit Tierleid verbunden. Ebenso sorgfältig und kritisch sind Sie bei Ihren Kosmetika, da Sie nicht länger die Creme auf Ihre Haut auftragen wollen, die im Testlabor unzähligen Kaninchen mittels Magensonde gewaltsam verabreicht wurde.

Es wird eine Weile dauern, bis Sie sich an Ihr neues Konsumverhalten gewöhnt haben. Sie müssen erst lernen, in welchen Produkten Inhaltsstoffe von Tieren vorhanden sind und in welchen nicht. Vergeuden Sie aber nicht Ihre Zeit damit, stundenlang die Beipackzettel zu studieren. Das Wissen, welche Produkte Sie verwenden können, kommt nach und nach, und schon bald reicht ein einziger, kurzer Blick auf die Liste der Inhaltstoffe, um zu wissen, ob dieses Produkt für Sie in Frage kommt oder nicht. Nutzen Sie auch die Bestellmöglichkeiten für tierproduktfreie Lebensmittel und tierversuchsfreie Kosmetika im Internet. Sie werden hin und wieder Fehler machen, aber machen Sie sich keine unnötigen Selbstvorwürfe. Alles braucht seine Zeit!

Mein Tipp: Broschüren oder Bücher über tierproduktfreie Kochrezepte und Nahrungsmittel besorgen. Unbedingt Nachkochen! Laden Sie auch einmal jene Freunde und Bekannten ein, von denen Sie als "Körnerfresser" bezeichnet werden. Zeigen Sie ihnen, dass "Veganissimo" mit "Allfredissimo" jederzeit konkurrieren kann - im Geschmack und in der Vielfalt.

Und über die moralischen Aspekte ist doch jeder Zweifel erhaben: "Bio" leckt ... noch immer Milch und Blut - und Sie eben nicht mehr.

Der sechste Schritt:

Aus dem wilden und gefährlichen Raubaffen "Tyrannohomo erectus" ist ein Mensch geworden, der in friedlicher Koexistenz mit den Tieren zu leben gelernt hat - so weit dies eben in unserer "Raubtiergesellschaft" überhaupt möglich ist. Kraft Ihrer Kognitionsfähigkeit und Ihrer Willensstärke haben Sie sich vom Alles- und Aasfresser zum Pflanzenesser entwickelt. Sie haben die Evolution überlistet und Ihre defekten cerebralen Schaltkreise erfolgreich überbrückt. Ihre Weltsicht und Ihr Selbstverständnis haben sich verändert. Der Mensch steht nicht mehr egoman im Mittelpunkt der Welt, sondern hat seinen Platz als "primus inter pari" (Erster unter Gleichen) eingenommen. Die Zeit ist nun reif, dass Sie sich auch mit jenen anthropogenen Einflüssen beschäftigen, die zwar nicht direkt, jedoch indirekt zu milliardenfachem Tod und unvorstellbarem Leiden Ihrer Mitlebewesen führen.

Die Erde ist die Heimstatt aller Lebewesen, und es gilt sie zu beschützen und zu bewahren. Sie wollen nicht, dass ein Bulldozer Ihr Haus platt walzt oder dass Ihr Garten abgefackelt wird. Sie wollen nicht in einer Ekel erregenden Kloake baden oder ein "Pilzragout à la Tschernobyl" verspeisen. Sie wollen auch nicht auf einer stinkigen Müllkippe leben, sondern in einer lebenswerten Natur, die diesen Namen auch verdient. Tiere haben den gleichen Wunsch und das gleiche Recht auf eine saubere Umwelt. Nur mit Ihrer Mitgliedschaft bei Greenpeace, bei den Grünen und anderen Gleichgesinnten hapert es noch ein wenig. Deshalb sind Sie wieder gefordert. Erheben Sie Ihre Stimme für diejenigen, die keine Stimme haben und vermeiden Sie selbst alles, was zur Schädigung unseres gemeinsamen Hauses beiträgt. Tierschutz bedeutet auch Umweltschutz. Ein schlauer Kopf hat einmal gesagt: "Triff mit dem, was du kaufst, tust oder siehst, eine moralische Wahl. In einer Konsum orientierten Gesellschaft können unsere individuellen Entscheidungen, sofern wir sie gemeinschaftlich zum Wohl der Tiere und der Natur einsetzen, die Welt schneller verändern, als Gesetze es können." Wenn nur alle Umweltschützer auch Tierschützer wären. Nicht auszudenken!

Mein Tipp: Wenn Sie der Meinung sind, der sechste Schritt sei nicht so notwendig, dann veranstalten Sie Ihr nächstes Grillfest mit Veggie-Burger, Vegan-Rostwurst und Falaffel auf der städtischen Müllhalde. Atmen Sie einmal richtig tief durch, und vertreten Sie sich nach dem Essen ein wenig die Beine – aber bitte barfuss.

Der siebte Schritt:

Ich hätte Ihnen gerne den siebten Schritt erspart - ganz nach dem Motto, das ich irgendwo einmal gelesen habe: "Am siebten Tage sollst Du ruhen." Aber der Kreis muss sich schließen. Nicht nur, weil es sich gut in so einem Text macht. Es fehlt zum Abschluss noch eine Kleinigkeit. Sie haben Ihren Weg bei sich selbst begonnen, beim "Raubaffen Mensch", und nun kehren Sie zum "Raubaffen Mensch" wieder zurück. Sie haben zwischenzeitlich gelernt, wie Sie in friedlicher Koexistenz mit Ihren "Mittieren" leben können. Sie haben erkannt, dass ein rücksichtsvoller und verantwortungsbewusster Umgang mit "Mutter Erde" sehr wichtig ist. Jetzt sollten Sie auch über Ihren Umgang mit dem "Raubaffen Mensch" nachdenken.

Bei all dem Elend der Tiere kann man schnell zum Misanthrop werden. Geraten Sie nicht in diese Sackgasse! Auch wenn die Ignoranz das erträgliche Maß übersteigt, auch wenn das Leiden der Tiere Sie bis in Ihre Träume verfolgt, auch wenn die "Anderen" Ihr Engagement und Ihre Lebensweise verspotten, verlieren Sie nicht wieder Ihre gerade gewonnene "Menschlichkeit". Der Spott kann Sie nicht treffen, denn Sie wissen, dass Sie sich in vorzüglicher Gesellschaft befinden: Ovid, Pythagoras, Buddha, Da Vinci, Gandhi, Rousseau, Kafka, Tolstoi, Shaw, Schweitzer, Suttner und viele andere große Menschen sind den gleichen Weg gegangen - Nobelpreisträger, Literaten, Künstler und Philosophen ersten Ranges.

Die treibende Kraft, die Ihren evolutionären Quantensprung bewirkte, ist neben Ihrem Gefühl des "Mit-leidens" vor allem Ihre Liebe zu den Tieren. "Tyrannohomo erectus" mit seinen defekten Schaltkreisen ist aus evolutionärer und biologischer Perspektive betrachtet das "menschliche" Tier - religiös, fehlgeleitet aber moralfähig, sofern man Kant Glauben schenken will. Wenn Ihre Tierliebe nun das " menschliche" Tier ausschließen würde, wären Sie nicht viel besser als "Tyrannohomo erectus". Ihr "Mit-leiden" würde sich nämlich nur auf die Subjekte Ihrer persönlichen Sympathie und Affinität beschränken. Das wäre sehr egoistisch! Ihre Ethik wird von zukünftigen Generationen nicht nur an Ihrem Umgang mit den Tieren gemessen werden, sondern auch daran, wie Sie den "Raubaffen Mensch" behandelt haben.

Mein Tipp: Bei ersten Anzeichen von Abneigung, Überheblichkeit oder unkontrollierbarer Aggressivität in Erinnerung rufen, dass Sie selbst noch vor kurzer Zeit ein "Raubaffe" waren und Ihre Reißzähne in das Fleisch Ihrer "Beutetiere" gegraben haben.


Die Frage "Was kann ich tun?" dürfte mit diesem "Weg der Sieben Schritte" einigermaßen geklärt sein. Nehmen Sie sich Zeit, aber kommen Sie ja nicht auf die Idee, der Weg sei das Ziel. Dieser Weg will Sie auch nicht zu einem "vergeistigten Moralisten" oder zu einem "Heiligen" machen, denn die Kämpfernaturen sind für die Erreichung unserer Ziele wichtig. Schlägt man Ihnen auf die rechte Wange, dann halten Sie nicht die linke hin - auch wenn Sie anderswo das Gegenteil gehört haben. Die schlagenden Argumente, die sich für den Schutz und die Rechte der Tiere ins Feld führen lassen, spielen Sie souverän aus und geben dem Raubtier in Ihnen einmal Freigang.


 

Seien Sie gegrüßt und umarmt:

Stefan Bernhard Eck



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