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Der Bericht über die Beschädigung des kleinen Schlachthofs Westerheim und über die rüde Behandlung der tatverdächtigen Tierrechtler durch Polizei und Justiz hat mich ziemlich aufgewühlt. Leider kann man sich über die damit angesprochene Gewaltfrage in der Tierrechtsbewegung öffentlich kaum äußern, weil man damit Gefahr läuft, selbst eingesperrt zu werden. In einem Unrechtsstaat ist eine offene Diskussion eben nicht möglich. Und was Tiere anbelangt, sind alle Staaten Unrechtsstaaten: "Wo es um Tiere geht, wird jeder zum Nazi ... Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka", wie der jüdische Nobelpreisträger Isaac Bashevis Singer bemerkte. Daß dies nicht leeres Pathos, sondern bittere Realität ist, kann jeder daran erkennen, daß wir zwar formal ein Tierschutzgesetz haben, daß damit aber ganz offensichtlich jedes, auch noch so schreckliche Verbrechen gegen Tiere vereinbar ist. Über den angeführten allgemeinen Grund zum Schweigen hinausgehend, gibt es für mich auch noch einen persönlichen: gegen mich läuft ein Ermittlungsverfahren der Hamburger Staatsanwaltschaft wegen öffentlichen Aufrufs zu Straftaten - anläßlich eines Stern-Interviews über "Öko-Krieger". Tja, so kann und soll ich dazu wohl nicht mehr sagen. Leider. - Halt, da fällt mir ein, daß ich heute einen Traum hatte! Zwar sind Träume, wie man weiß, in ihrem Ergebnis eine fürchterlich irrationale Angelegenheit - weiß der Teufel, aus welch dubiosen Quellen sie sich speisen! Aber thematisch paßt mein Traum ganz gut hierher. Die sogenannten "Tagesreste", wie Freud reale, aktuelle Traumauslöser nannte, sind noch deutlich erkennbar: Ich träumte, daß nicht nur ein kleiner Schlachthof beschädigt, sondern auch ein großer Schlachthof völlig zerstört wurde. Aber dabei blieb es nicht, es ging immer weiter, am laufenden Band sozusagen. So hoch konnten die Kautionen für die Verdächtigen und die Strafen für die Verurteilten gar nicht ausfallen, daß sich nicht immer wieder Leute gefunden hätten, die Schlachthöfe angriffen, anzündeten oder schlicht in die Luft jagten. Nachdem auf diese Weise bereits Hunderte von Schlachthöfen außer Betrieb gesetzt worden waren, geschah etwas Merkwürdiges. Anstatt die Täter und deren Sympathisanten zu ächten, solidarisierte sich die Bevölkerung mit ihnen. Aufgrund der öffentlichen Diskussion, die die Gewalttaten ausgelöst hatten, wollten die Menschen gar keine Schlachthöfe mehr. Aus den verschiedensten Gründen: weil Fleisch ohnehin ungesund ist - zumal das aus "modernen" Schlachthöfen, weil die Fleischproduktion die Umwelt auf vielfältige und verheerende Weise zerstört, weil unser Fleischessen den Hunger in der Welt fördert, oder einfach, weil unschuldige Tiere schrecklich leiden müssen. Da öffentliche Meinung und rechtliche Normen große Spannungen nur kurze Zeit vertragen, änderten sich allmählich auch die Gesetze. Schließlich kam es so weit, daß nicht mehr die mit Gefängnis bedroht wurden, die Schlachthöfe zerstörten, sondern jene, die sie aufbauten. Und die Kriminellen von einst wurden nicht mehr eingesperrt, sondern gefeiert: als Wegbereiter für eine Humanität, die nicht mehr herz- und hirnlos an der eigenen Artgrenze haltmacht. Ein verrückter Traum! Oder? © Helmut F. Kaplan Themenverwandte Artikel: |
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