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Von Überlebenden des Holocaust wird berichtet, daß sie Schuldgefühle gegenüber jenen haben, die nicht das Glück hatten zu überleben. Gleichzeitig empfinden sie eine starke Verpflichtung, die Nachwelt über das Furchtbare, das geschehen ist, aufzuklären, um so die Erinnerung an die Opfer zu bewahren und um dazu beizutragen, daß sich dieses Verbrechen nicht wiederholt.
Ich kann diese Schuld- und Pflichtgefühle sehr gut nachvollziehen, sowohl psychologisch als auch moralisch. Aber haben wir es hier nicht mit einem viel allgemeineren und vor allem viel gegenwärtigeren Phänomen zu tun? Haben nicht viele, wenn nicht alle von uns irgendwie großes Glück gehabt? Hat nicht jeder, der halbwegs gesund ist und in einem der reichen Länder der Erde lebt, enormes Glück gehabt verglichen mit jenen Menschen, die in Hunger-, Kriegs- und Seuchengebiete hineingeboren wurden? Und ist es nicht geradezu der Inbegriff moralischer Pflicht, diesen Menschen, die nicht unser unverschämtes Glück hatten, zu helfen?
Aber hier endet die Parallele zwischen uns und den Überlebenden des Holocaust nicht: Hat nicht jeder, der als Mensch und nicht als Tier auf die Welt gekommen ist, immenses Glück gehabt! Oder möchten Sie in einem der modernen Vernichtungslager geboren worden sein, um als Versuchstier, Pelzmantel oder Schnitzel zu enden? Ohne auch nur ein einziges Mal im Leben glücklich zu sein. Ohne je etwas anderes zu erleben als Gleichgültigkeit, Gemeinheit und Gewalt. Ohne die geringste Chance, der bevorstehenden Folter und der festgesetzten Hinrichtung zu entkommen. Ohne jegliche Schuld dem puren Grauen und blanken Entsetzen ausgeliefert sein.
Jeder Mensch hat die Pflicht, Tieren zu helfen, die ihrem Schicksal machtlos ausgeliefert sind. © Helmut F. Kaplan Themenverwandte Artikel: |
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