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Die Vorstellung ist so ungeheuerlich, daß man mitunter Jahrzehnte braucht, um sie in ihrer ganzen Bedeutung und Tragweite zu erfassen: Alles auf der Welt ist für den Menschen da, unter den Millionen und Abermillionen von pflanzlichen und tierlichen Arten gibt es eine, eine einzige, für die alle anderen geschaffen worden sind. Ich spreche von der biblischen Position, die in terroristischen Aufrufen wie "Machet euch die Erde untertan!" zum Ausdruck kommt. Daß es daneben in der Bibel auch andere und widersprechende Aussagen gibt, tut nichts zur Sache. Was wäre schließlich von einem Gesetz zu halten, das Mord verbietet, dann aber doch wieder zuläßt? Nichts natürlich, ein solches Machwerk wäre völlig unakzeptabel! Zurück zur beschriebenen Position: Egal, was es ist, wo es ist und wie es ist: es wurde für uns geschaffen. So haarsträubend diese Haltung, so verheerend ihre Folgen: Ob im tiefsten Urwald, auf der entlegensten Insel oder am Grunde des Meeres - alles gehört uns und alles "nutzen" wir, weil es schmeckt, Geld bringt oder "Spaß" macht. Daran ändert letztlich auch nichts, daß der "Auftrag" "Machet euch die Erde untertan!" heute in aller Regel nur mehr metaphorisch, symbolisch oder sonst irgendwie gemildert propagiert wird. Über Jahrzehnte wurde dieses Programm zur planetarischen Verwüstung mit aller buchstäblichen Brutalität gepredigt! Und die Einsicht, daß diese Kriegserklärung an alle Pflanzen und Tiere vielleicht doch überzogen sei, beruhte auch nie auf Ethik, sondern immer auf Egoismus. Man erkannte: Wenn man aus der Natur wirklich "alles herausholen" will, dann muß man es etwas schlauer anstellen. Wer möglichst lange ausbeuten will, muß seine momentane Gier zügeln. "Umweltschutz" oder "vernünftiger Umweltschutz", wie er zuweilen mit erstaunlicher Offenheit genannt wird, ist in Wirklichkeit nichts anderes als die modernere, intelligentere und effizientere Verfolgung des Planes "Machet euch die Erde untertan!" Untrüglicher Beweis für die absolute Unmoral der ökologischen Bewegung ist ihre kategorische Weigerung, mit der Tierrechtsbewegung zusammenzuarbeiten: Diese schützt Tiere um ihrer selbst willen. Für Umweltschützer zählen hingegen nur Tierarten, also das Kollektiv, denen individuelle Tiere angehören. Schicksal und Leiden der einzelnen Tiere interessieren den Umweltschützer nicht. Konkretes Beispiel dieser perversen Logik: Auf Greenpeace-Schiffen, die sich der Rettung "gefährdeter" Fische verschrieben haben, werden ohne mit der Wimper zu zucken "nicht gefährdete" Fische verzehrt. Da haben wir ihn wie im Brennspiegel, den erbarmungslos-kaltblütig kalkulierenden Blick der modernen Vertreter des alten Programms: Die vom Aussterben Bedrohten schützen wir, die in genügender Zahl Vorhandenen fressen wir! Das ist genauso obszön, wie wenn man Sklaverei und Folter nur dann verurteilen würde, wenn dadurch eine ganze "Rasse", "Volksgruppe" oder was immer für ein Kollektiv vom Aussterben bedroht würde. Gemäß dieser bizarren, lebens- und leidensverachtenden Logik wäre letztlich auch an den Judenvergasungen der Nationalsozialisten so lange nichts auszusetzen gewesen, als diese nur dafür gesorgt hätten, daß ein paar Juden übrigbleiben! Und woher kommt dieser sagenhafte Zynismus der ökologischen Bewegung, wie ist er zu erklären? Ganz einfach: In Wirklichkeit geht es den Umweltschützern weder um individuelle Tiere noch um Tierarten noch um die übrige Umwelt, sondern ausschließlich um sich selbst. Pflanzen und Tiere werden nur geschützt, um selbst samt Kindern eine schöne, funktionierende und gesunde Umwelt zu haben. Aber die Öko-Egoisten haben die Rechnung ohne die Realität gemacht. Zwar kann man Tiere ewig unterdrücken, ohne daß sie sich je gegen uns erheben könnten. Aber die Natur insgesamt kann man nicht ewig ungestraft ausbeuten - weder archaisch-primitiv noch ökologisch-intelligent. Das Programm "Machet euch die Erde untertan!" führt auch in seiner modernisierten Fassung zum Untergang. © Helmut F. Kaplan Themenverwandte Artikel: |
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