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Wenn ich erfahre, daß jemand, der soeben gestorben ist, ein Jäger war, so werde ich von einem tiefen Glücksgefühl übermächtigt. Wenn ich dann auch noch höre, daß der Betreffende vorher leiden mußte oder gar bei der Ausübung seines Mord-Hobbys zu Tode kam - wie der Atom-Verbrecher Franz Josef Strauß -, so ist mein Vergnügen umso größer. Der Vollständigkeit und Ehrlichkeit halber muß ich aber hinzufügen, daß sich diese aufrichtige Anteilnahme am Schicksal meiner Mitmenschen keineswegs auf Tierschinder beschränkt: Auch die Kunde über den Tod eines verhaßten ehemaligen Lehrers erfüllt mich mit ehrlicher Freude und wirklicher Genugtuung.
Ist diese Reaktion in Ordnung? Nun, zuerst: Für spontane Gefühle sind wir zunächst einmal nicht verantwortlich. Dafür daß ich mich über den Tod eines Jägers freue, kann ich ebensowenig wie dafür, daß mir ein Essen schmeckt oder eine Frau gefällt - oder nicht. Allerdings: Bei moralisch bedeutsamen Reaktionen sind wir sehr wohl verpflichtet, uns über ihre Berechtigung Rechenschaft abzulegen, um dann zu entscheiden, ob wir dieses Gefühl annehmen und kultivieren wollen oder ob wir im Gegenteil dagegen ankämpfen sollen.
Bevor wir fortfahren, wollen wir unsere Überlegungen aber auf eine allgemeinere Ebene heben. Jäger sind ja schließlich nicht grundsätzlich besonders schlechte Menschen, sondern bei ihnen wird lediglich das Schlechte im Menschen besonders deutlich sichtbar. Andererseits muß man schon sagen, daß der Lustmörder Jäger eine besonders scheußliche, drastische und ungeschminkte Verkörperung menschlicher Niedertracht darstellt.
Wie auch immer - die allgemeine Frage, um die es hier geht, lautet jedenfalls: Ist es moralisch in Ordnung, sich über den Tod eines grausamen, bösen Menschen zu freuen? Die Antwort hängt natürlich - trivialerweise - von der Moral ab, aufgrund deren wir diese Frage bewerten und beantworten wollen. Im Lichte unserer abendländisch-christlichen Moralvorstellungen betrachtet, ist diese Freude gewiß nicht die feinste und wünschenswerteste Reaktion. Und, um dies gleich hinzuzufügen: Ich schließe mich dieser Bewertung an. Als Gründe, die mir diese Bewertung - gefühlsmäßig und ohne konkrete ethische Rechtfertigung - als richtig erscheinen lassen, nenne ich die Stichworte Pazifismus und Feindesliebe sowie den Grundsatz, Gleiches nicht mit Gleichem zu vergelten.
Halten wir an dieser moralischen Bewertung einmal fest: Es ist nicht richtig, sich über den Tod eines grausamen, bösen Menschen zu freuen. Jetzt frage ich aber: Ist derjenige, der sich über den Tod eines solchen Menschen nicht freut, deshalb schon ein besserer Mensch? Genau dies wird in den allermeisten Fällen gerade nicht der Fall sein. Denn wer sich über einen schlechten Menschen nicht ärgert - und sich deshalb auch über seinen Tod nicht freut -, der tut dies nicht aus menschlicher Größe, sondern aus moralischer Gleichgültigkeit - und: weil er selbst um nichts besser ist!
Wer moralisch richtig reagieren will, muß zuerst einmal überhaupt moralisch reagieren. Und der erste, quasi "natürliche" moralische Reflex auf hinterhältige und feige Lustmörder ist nun einmal Empörung - und Freude, wenn sie ihrem tod- und leidbringenden Steckenpferd nicht mehr nachgehen können. Diese ehrliche Freude ist dem moralischen Ideal unendlich viel näher als verlogene Großmütigkeit oder wirkliche Gleichgültigkeit. © Helmut F. Kaplan Themenverwandte Artikel: |
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