Ethik, Egoismus und Rinderwahn


Beim vielgefeierten "Zusammenbruch des Kommunismus" konnte man gut beobachten, welche Wirkung Ideologien bzw. Theorien im weiteren Sinne haben: eine ganz geringe. Da sah man "gestandene" DDR-Funktionäre im Konsumrausch, sowjetische Militärs bei McDonald´s, marxistische Vordenker in kapitalistischen Betrieben usw. Diese Szenen werfen auch ein bezeichnendes Licht auf den möglichen Einfluß von Ethik im allgemeinen und von Tierethik im besonderen: Wenn wir wirklich etwas erreichen wollen, etwa Menschen zu Vegetariern machen, dann bedarf es viel mehr als bloßer Ethik:

  • Es muß noch viel deutlicher und drastischer vermittelt werden, welch ekelige und unästhetische Angelegenheit Fleischessen ist.

  • Es muß noch viel deutlicher und drastischer vermittelt werden, daß die vegetarische Ernährung wesentlich gesünder ist als Fleisch zu essen.

  • Vegetarische Lebensmittel müssen viel billiger werden.

  • Vegetarische Lebensmittel müssen viel vielfältiger werden.

  • Vegetarische Lebensmittel müssen viel praktischer werden.

  • Und, vor allem: Vegetarische Lebensmittel müssen den Menschen mindestens so gut schmecken wie Fleisch.

All dies könnte vergleichsweise einfach und rasch realisiert werden, wenn man dieses Ziel mit dem gleichen Elan verfolgte, wie man andere wichtige Projekte betreibt: systematische Forschungs- und Entwicklungsarbeit, flächendeckende Werbung, einfallsreiches Marketing usw. Ansätze zu einer solchen Entwicklung sind nun dank Rinderwahnsinn und anderer Seuchen erfreulicherweise ja bereits erkennbar.

Ethische Konzepte und Ideen werden auch weiterhin wichtig sein, weil sie die unverzichtbare Voraussetzung dafür sind, historische Entwicklungen anzustoßen und durchzusetzen. Aber Ethik alleine reicht eben bei weitem nicht aus. Schon gar nicht bei Menschen, denen es in Wirklichkeit fast nie um Ethik, sondern so gut wie immer um Egoismus geht.

Die schlimmsten Formen der Ausbeutung und Mißhandlung von Menschen – Betrug, Körperverletzung, Mord und Totschlag – werden schließlich auch nicht durch hehre Prinzipien, sondern durch handfeste Vor- bzw. Nachteile verhindert: wer sich nicht gesetzeskonform verhält, landet hinter Gittern.

Seien wir also realistisch: Wer den Tieren helfen will, darf sich über die Menschen keine Illusionen machen. Menschen mit Moral zu motivieren, ist immer mühsam und meist vergeblich. Worauf Menschen reagieren, sind weniger ethische Anstöße als vielmehr persönliche Vor- und Nachteile. Und deshalb ist auch alles zu begrüßen, was Fleischessen zum Nachteil macht. So gesehen, ist der Rinderwahn ein Geschenk des Himmels!

© Helmut F. Kaplan


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