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Dank BSE und anderer Tierseuchen sowie der damit verbundenen Bilder und Berichte haben nun wirklich alle Menschen eine hinreichende Vorstellung vom schrecklichen Leiden, das wir Tieren im Zuge der Fleischproduktion zufügen. Angesichts dieser Horrorinformationen erscheint es auf den ersten Blick geradezu unfaßbar, daß hieraus kaum jemand persönliche Konsequenzen zieht, also aufhört, Fleisch zu essen. Dabei ist des Rätsels Lösung so einfach: Den meisten Menschen sind doch auch ihre Mitmenschen egal! Jedenfalls verhalten sie sich im Umgang mit ihnen kaum je nach irgendwelchen moralischen Grundsätzen, sondern fast immer entsprechend dem sogenannten "Recht des Stärkeren". Dies mag allzu pessimistisch klingen, kann aber von jedem jederzeit überprüft werden. Man versuche nur, an einer ungeregelten Kreuzung den Zebrastreifen zu überqueren: In aller Regel wird man lange warten müssen, bis ein Auto anhält und man gefahrlos über die Straße gehen kann. Dabei ist dies noch nicht einmal eine rein moralische Frage - seine Überlegenheit nicht auszunutzen -, weil Autofahrer auch von Gesetzes wegen anhalten müßten. (In Österreich gilt die Regelung, daß Fußgänger, die erkennbar die Straße überqueren möchten, Vorrang haben.) Da die Einhaltung dieses Gesetzes aber so gut wie nicht kontrolliert wird und daher bei Zuwiderhandeln keine Strafe zu befürchten ist, läuft die Sache praktisch auf einen moralischen Test hinaus. Ich habe noch keine Zählungen durchgeführt, vermute aber, daß mindestens 85 Prozent der Autofahrer nicht anhalten. Hier haben wir also die konkrete Möglichkeit, eine quantifizierbare und wiederholbare Diagnose in bezug auf die Frage Moral versus "Recht des Stärkeren" zu stellen. Diese Aussage mag manchem übertrieben erscheinen. Sicher: Es ist ein Unterschied, ob ich, sagen wir, jemanden umbringe oder bloß nicht über die Straße gehen lasse. (Wenngleich letzteres zuweilen auf ersteres hinausläuft.) Wer aber ehrlich und unvoreingenommen über seine Erfahrungen und Erlebnisse mit seinen Mitmenschen nachdenkt, wird sich der Erkenntnis nicht verschließen können, daß sich diese auch in viel "ernsteren" Situationen kaum besser, kaum "moralischer" verhalten. Vielmehr wird man zum Ergebnis gelangen, daß das "Zebrastreifen-Ergebnis" noch ein vergleichsweise freundliches Bild vom Menschen zeichnet. Und was folgt hieraus für die Tierrechtsbewegung?
© Helmut F. Kaplan Themenverwandte Artikel: |
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