Der Weg zum Veganismus


Es gibt genügend Menschen, die mit Tierrechten überhaupt nichts am Hut haben. Schlimmer noch: Es gibt genügend Menschen, die Tiere sogar vorsätzlich quälen und töten. Ich erlebe das fast täglich. Etwa, wenn Leute in Gastgärten auf ein halbvolles Cola-Glas, in dem gerade eine Biene am Ertrinken ist, sicherheitshalber auch noch einen Aschenbecher stellen, um ein qualvolles Sterben zu garantieren.

Umso wichtiger ist es, die Empörung, die andere Menschen empfinden, wenn sie mit Grausamkeiten gegenüber Tieren konfrontiert werden, optimal zu nutzen, sprich: sie möglichst rasch und vollständig in eine konstruktive Energie zugunsten der Tiere zu verwandeln. Ganz konkret: Wenn jemand über ein Unrecht gegenüber Tieren entsetzt und gewillt ist, dagegen etwas zu unternehmen, dann müssen wir ihm augenblicklich eine Regel, ein Rezept, eine Forderung zurufen können, die einleuchtend ist und die sofort und sicher realisierbar ist. Und eine solche Forderung ist: "Hört auf, Tiere zu essen!"

Die Gründe, die von seiten der Vegan-Fanatiker unverantwortlicherweise gegen dieses Rezept eingewendet werden, sind unsinnig.

Erster Einwand: Menschen zu Vegetariern zu machen, bringe den Tieren nichts, unter anderem, weil diese Menschen dann umso mehr Milchprodukte essen würden. Tatsache ist:

  1. Die Umstellung auf eine vegetarische Lebensweise geht mit einer bewußteren, informierteren Ernährung einher, sodaß die Menschen dann zum Beispiel mehr Obst, Gemüse und Vollkornprodukte essen.
  2. Ein ethisch motivierter Vegetarier wird sich allgemein gegenüber Tieren viel besser verhalten als ein Fleischesser.
  3. Aus einem ethisch motivierten Vegetarier wird leicht ein Veganer, aus einem Fleischesser nicht.

Der zweite Einwand gegen die moralische Generalforderung "Hört auf, Tiere zu essen!" lautet: Wenn man nur den Vegetarismus propagiere, komme es nie zu einer Veganisierung der Gesellschaft. Tatsache ist:

  1. Selbstverständlich soll man auch den Veganismus propagieren! Aber nur da, wo man damit Aussicht auf Erfolg hat, und nicht da, wo man das Gegenteil von dem, was man erreichen will, bewirkt. Das ist bei Fleischessern der Fall, denen schon der Vegetarismus völlig "extrem" erscheint und die angesichts der Veganismus-Forderung nicht nur keine Veganer, sondern "aus Schreck" auch keine Vegetarier werden.
  2. Mit der Vegetarisierung der Gesellschaft geht automatisch eine Veganisierung der Gesellschaft einher: Wenn die Gewinne aus der Fleischproduktion, der wichtigsten Tierverwertungskomponente (neben Milch, Eiern, Leder usw.), geringer werden, dann werden sich die tierlichen Produkte insgesamt verteuern – und damit als Rohstoff für die Lebensmittelproduzenten immer unattraktiver werden. Dadurch wird es allmählich zu einer Neuausrichtung des Marktes hin zu nichttierlichen Rohstoffen, also zu einer Veganisierung der Gesellschaft kommen.

Der Weg zum Veganismus führt über den Vegetarismus - sowohl individuell-psychologisch als auch gesellschaftlich-ökonomisch. Je früher wir diesen Weg beschreiten, desto rascher sind wir am Ziel.

Die Ethische Weltformel (Vegi-Verlag)
Tierrechte (Echo Verlag)

© Helmut F. Kaplan


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