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Ethischer Wettbewerb oder politische Strategie
Daß das Ziel der Tierrechtsbewegung eine vegane Gesellschaft sein muß, ist mittlerweile wohl unbestritten. Darüber, wie dieses Ziel erreicht werden kann, herrscht allerdings alles andere als Einigkeit. Die schlechteste Strategie ist es wohl, Vegetarier moralisch zu verurteilen – nach dem Motto: "Wer Käse ißt, kann gleich auch Fleisch essen." Denn damit schafft man nicht nur keine Veganer, sondern verhindert obendrein auch noch Vegetarier. Gerade weil die vegane Realität noch so schmerzlich weit entfernt ist, ist es umso wichtiger, besonders realistisch zu sein, um unnötige Zeit- und Energieverluste zu vermeiden. Und die augenscheinlichste Realität ist, daß die meisten Menschen noch Fleischesser sind! Bezeichnenderweise nehmen die Vegan-Fanatiker gerade diese offenkundigste Realität am wenigsten wahr: Anstatt sich um die erdrückende Mehrheit der Fleischesser zu kümmern, die noch nicht einmal den ersten Schritt in Richtung Tierrechte, geschweige denn in Richtung Veganismus gemacht haben, stürzen sie sich in völliger Verkennung der Realität auf die ethisch motivierten Vegetarier, die sowieso schon fast am Ziel sind und die dieses Ziel auch alleine erreichen werden! Weil die meisten Menschen eben noch Fleischesser sind, gilt es vernünftigerweise natürlich in erster Linie, diese "zu bearbeiten", sprich: sie von der moralischen Verwerflichkeit des Fleischessens zu überzeugen. Wobei die Betonung auf moralisch liegt: Wir müssen die Menschen dazu bringen, aus Rücksicht und Respekt vor den Tieren und aus Mitleid mit den Tieren auf das Fleischessen zu verzichten. Damit ist die notwendige Überzeugungsarbeit im Wesentlichen aber auch schon geleistet! Denn dem ethisch motivierten Vegetarier wird ohnehin selber klar, daß der Vegetarismus nur der erste Schritt sein kann, dem der zweite vegane Schritt folgen muß. Beim Schritt vom Vegetarier zum Veganer geht es weniger um notwendige ethische Überzeugungen, sondern vielmehr um notwendige praktische Veränderungen: Den Vegetariern muß es möglichst leicht gemacht werden, immer mehr zu Veganern zu werden. Dazu müssen allem voran einmal die vielen tierlichen Zusatzstoffe, insbesondere in Form von Milch und Eiern, aus den Lebensmitteln verschwinden. Dann muß es die Milchproduke, vor allem Käse, auch in veganen Varianten geben. Und Schließlich gilt es, alle Formen von nichttierlichem "Fleischersatz" zu fördern. Wer Fleischesser zu ethischen Vegetariern macht und diesen ethischen Vegetariern dann genügend Gelegenheit gibt, vegane Produkte zu konsumieren, löst das Ernährungsproblem auf die einfachste, schnellste und intelligenteste Weise! Was die Vegan-Fanatiker, für die der Veganismus zur Ersatzreligion geworden ist, nicht begreifen, ist: Bei der Veganisierung der Gesellschaft geht es nicht um einen quasi ethischen Wettlauf, bei dem derjenige den größten Heiligenschein erringt, der sich am meisten anstrengt und am wenigsten Milch- und Eierpartikel verzehrt. Worum es geht, ist vielmehr, jene politische Strategie zu finden, die die vegane Gesellschaft am schnellsten und sichersten verwirklicht. Die Ethische Weltformel (Vegi-Verlag) © Helmut F. Kaplan Themenverwandte Artikel: |
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