Aufforderung zur Zusammenarbeit


Ein Zwischenruf zur Veganismus-Debatte

Ich hege die Befürchtung, daß die Tierrechtsbewegung nicht am Egoismus der Tierausbeuter, sondern an der Dummheit der Tierrechtler scheitern wird. Ich schließe dies aus der Tatsache, daß ich in den letzten eineinhalb Jahren in bezug auf den Veganismus fast ausschließlich Antworten auf die Frage B bekommen habe, obwohl ich fast ausschließlich die Frage A gestellt habe.

Frage A: Welche Strategie gegenüber Fleischessern ist JETZT am geeignetsten, um das Ziel einer veganen Gesellschaft am schnellsten zu erreichen?

Frage B: Ist Helmut F. Kaplan JETZT moralisch verpflichtet, sich ausnahmslos vegan zu ernähren?

Ich habe mich aus drei Gründen zunächst auf die Beantwortung von Frage A konzentriert:

  1. Frage A ist wichtiger, weil sie das Verhalten von Milliarden von Menschen betrifft, während Frage B nur das Verhalten eines einzigen Menschen betrifft.

  2. Ich verfüge nicht über die beneidenswerte Fähigkeit meiner Kritiker, alle Fragen auf einmal zu beantworten.

  3. Ich erwarte mir von der Beantwortung von Frage A eine Hilfe bei der Beantwortung von Frage B.

Ich werde mich auch weiterhin um eine möglichst rationale, realistische und effiziente Beantwortung von Frage A bemühen und würde mich sehr freuen, dabei durch sachliche Kritik unterstützt zu werden. Dies war bis jetzt, wie gesagt, kaum der Fall, weil diese Frage von den allermeisten Kritikern schlicht nicht zur Kenntnis genommen worden ist.

Umso dankbarer bin ich denen, allen voran meinem Freund Stefan Bernhard Eck, die sich ernsthaft, engagiert und konstruktiv mit der Frage A auseinandergesetzt haben. Denn dies hat zu deutlichen Veränderungen und Verbesserungen meiner Ausgangsposition geführt. So hatte ich etwa anfangs allgemein dafür plädiert, seinen Veganismus zu verheimlichen, um potentielle Vegetarier nicht vom Vegetarismus abzuschrecken. Jetzt plädiere ich für eine aktive, je nach Publikum differenzierte Werbung für den Veganismus. (Vor einem Hardcore-speziesistischen Publikum wie etwa einer Bauernversammlung für den Veganismus zu werben, halte ich aber nach wie vor nicht nur für unsinnig, sondern für verantwortungslos.)

Wie gesagt, ich werde mich weiterhin um eine möglichst rationale, realistische und effiziente Beantwortung von Frage A bemühen und würde mich sehr über eine Unterstützung in Form von sachlicher Kritik freuen.

Ich möchte nun eine THESE aufstellen:
Die Veganismus-Diskussion krankt auch daran, daß dem Boykott-Aspekt eine zu große und eine zu ausschließliche Bedeutung beigemessen wird. Boykott ist zwar eine wichtige, aber nicht die einzige und auch nicht immer die beste Strategie zur Bekämpfung von Mißständen.

Zwei Beispiele:
Bei der Anti-AKW-Bewegung spielte der Boykott-Aspekt praktisch keine Rolle. Jedenfalls erinnere ich mich nicht daran, daß von AKW-Gegnern gefordert wurde, auf das Einschalten von Fernseher, Licht und Heizung zu verzichten.

Bei der Anti-Tierversuchs-Bewegung wird der Boykott-Aspekt differenziert gesehen. So wird zwar ein Boykott von Kosmetika, die im Tierversuch getestet wurden, verlangt, aber keineswegs auch ein Boykott von Ärzten und Krankenhäusern, was man "konsequenterweise" ja auch fordern müßte. Denn zweifellos basiert die gesamte Medizin auch auf Tierversuchen. Dennoch fordert man nicht, alle Medikamente, die mit Hilfe von Tierversuchen hergestellt wurden, zu boykottierten, sondern vielmehr, daß diese künftig anders, "alternativ" hergestellt werden.

FRAGEN: Können wir aus diesem differenzierten Einsatz des Boykott-Instruments bei Tierversuchen etwas für die Veganismus-Diskussion lernen? Wenn ja, was?

Stimmt meine These? Wie können meine Fragen beantwortet werden?

Die Ethische Weltformel (Vegi-Verlag)
Tierrechte (Echo Verlag)
www.tierrechte-kaplan.org

© Helmut F. Kaplan


Zur Durchführung meiner Aufklärungs- und Forschungsarbeit im Dienste der Tiere bin ich auf Ihre Unterstützung angewiesen.

Bitte helfen Sie mir, meine Arbeit erfolgreich fortsetzen zu können.


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