Dreißig Jahre Tierrechtsbewegung


Singer-Text

Ich möchte auf einen Text verweisen, den Peter Singer anläßlich des 30jährigen Bestehens der Tierrechtsbewegung im Frühjahr 2003 in "The New York Review of Books" publiziert (und den Thomas Winger dankenswerterweise recht flüssig übersetzt) hat:

http://www.united-creatures.com/pages/20030701Singer.html

Dieser Text macht einmal mehr deutlich, warum Singers Philosophie seinerzeit derart "eingeschlagen" hat. (Interessanterweise kommt Singers "offizieller" ethischer Ansatz, der Utilitarismus, weder in diesem Text noch in seinem Buch "Befreiung der Tiere" vor.)

Kaplan-Text

Außerdem möchte ich auf einen eigenen Text verweisen, in dem ich einen zentralen Aspekt von Singers Konzept, die "Marginal Cases", näher erläutere:

"Über die Rechte von Tieren und Menschen"

Diese "Marginal Cases" ("Randfälle", wie etwa senile oder geistig behinderte Menschen) sind nicht nur ein Kernstück der Tierrechts-Philosophie, sondern auch ein eindrucksvoller Beleg für Singers geradezu geniales Gespür für künftige Entwicklungen und wesentliche Zusammenhänge: Die Themen und Aspekte, die damit angesprochen werden, stehen im Zentrum der aktuellen Bioethik-Diskussion, die unter anderem durch die Stammzellenforschung und die Präimplantationsdiagnostik angestoßen wurde. Mehr noch: Die Interpretationsansätze für die hier zentralen Themen Menschenwürde, Person und Potentialität, für die Singer vor zwanzig Jahren vehement beschimpft und als Nazi diffamiert wurde, gehören mittlerweile zum Kern des akzeptierten Meinungsspektrums.

Moralische Ermutigung und kommunikative Einbahnstraße

Singers Ausführungen anläßlich des dreißigjährigen Bestehens der Tierrechtsbewegung sind aus zwei weiteren Gründen lesens- und bemerkenswert:

  1. Singer verweist darauf, daß im Hinblick auf die praktische Tierrechtsarbeit Europa mittlerweile die Führungsrolle übernommen hat, was für uns Anstoß und Ermutigung sein sollte.
  2. Dabei übersieht er allerdings leider, daß diese Führungsrolle auf der Aktionsebene nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, daß bei uns mittlerweile auch viel substantielle philosophische, ethische und strategische Arbeit geleistet wird.

Im Interesse der globalen Weiterentwicklung der Tierrechtsbewegung wäre es wünschenswert, wenn letzteres auch im angelsächsischen Raum zur Kenntnis genommen würde. Leider erweist sich auch hier die sprachliche Barriere bzw. Einbahnstraße (übersetzt wird praktisch nur vom Englischen ins Deutsche) als ernsthaftes Hindernis für eine fruchtbare Diskussion.

Aktuelle und allgemeine Nutzanwendung

Die beiden obigen Texte möchte ich insbesondere zwei Fraktionen in der Tierrechtsbewegung dringend zur Lektüre empfehlen:

  1. Jenen, die glauben, sie bräuchten keine Ethik, weil es nur auf die (rechtliche) Praxis ankomme. Der jüngste Flop bei der Hühner-Käfig-Haltung beweist das Gegenteil!
  2. Jenen, die meinen, mit Singer und Kaplan brauche man sich sowieso nicht mehr zu befassen, weil die sich sowieso längst selber "ins Abseits manövriert" haben (Stichworte: Euthanasie- und Veganismus-Debatte). Es geht nicht um Personen, sondern um Argumente!


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