Tierrechtler müssen wählen


Unter Tierrechtlern gibt es immer wieder Diskussionen darüber, ob man sich bei bestimmten Themen oder Situationen mit seinem Engagement für Tiere nicht zurückhalten sollte, um konkurrierende menschliche Interessen zu schützen oder zuerst einmal Wichtigeres zu erledigen. Drei Beispiele:

  • Sollte man sich bei der Kritik am Schächten zurückhalten, um nicht die ohnehin diskriminierten Muslime und Juden weiter in Bedrängnis zu bringen?
  • Sollte man den Holocaust-Vergleich meiden, um nicht die Holocaust-Opfer zu irritieren?
  • Sollte man zuerst einmal den Kapitalismus abschaffen und sich erst dann so richtig um Tierrechte zu kümmern?

Ich habe immer gesagt: Tierrechtler müssen vor allem eines sein, nämlich: Tierrechtler,

  • weil wir uns sonst verzetteln,
  • weil sich sonst die Wirkung unserer Aktivitäten tendenziell aufhebt,
  • weil wir sonst die Bewegung schwächen, indem wir mögliche Mitstreiter abschrecken ("Echte Tierrechtler müssen auf alle Fälle auch Gobalisierungs- und Kapitalismuskritiker, Abstinenzler, Nichtraucher, Christen, Nicht-Christen usw. usw. sein!").

Politische Wahlen ERZWINGEN nun Entscheidungen. Schließlich haben unterschiedliche Parteien unterschiedliche Prioritäten, aber wählen kann man immer nur eine. Diese Qual der Wahl ist im Hinblick auf Tierrechte äußerst heilsam, weil sie endlich jene Entscheidung erzwingt, die man ohnehin schon längst getroffen haben sollte: Was ist mir wirklich am wichtigsten? Sind es die Tiere oder ist es doch etwas anderes?

Wer sich bei politischen Wahlen nicht am Tierrechts-Kriterium orientiert, weiß, daß er eben andere Prioritäten hat. Das ist legitim, sollte aber nicht verschwiegen werden. Weder gegenüber sich selbst noch gegenüber Tierrechtlern. Damit erspart man sich und anderen fadenscheinige Argumente und fruchtlose Diskussionen.

© Helmut F. Kaplan


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