Das Schweigen der Kritiker

Argument oder Ausrede?


Im Hinblick auf das Schächten wird von seiten "fortschrittlicher" Tierrechtsorganisationen oft argumentiert: Man spreche dieses Thema bewußt nicht an, um nicht ohnehin schon diskriminierte gesellschaftliche Gruppen wie etwa Ausländer oder Muslime weiter zu belasten bzw. um nicht "Beifall von der falschen Seite" zu bekommen. Außerdem und vor allem aber sei diese Zurückhaltung ganz harmlos und undramatisch: Schließlich gebe es sehr viele Probleme, die man nicht thematisiere, und das Schächten sei halt eines davon.

Das ist zugegebenermaßen ein ganz gutes Argument. Aber ich halte es dennoch für eine Ausrede. Ich glaube, daß man das Schächten auch dann nicht thematisieren würde, wenn man fast alle anderen Themen schon behandelt hätte.

Wie dem auch sei, eines ist sicher: Wenn man nur eine kleine Auswahl von Problemen behandeln kann, braucht man Kriterien, um dieses Auswahl zu treffen. Im folgenden möchte ich drei solcher Kriterien formulieren, die, wie ich meine, Allgemeingültigkeit und Rationalität für sich in Anspruch nehmen können – und FÜR die öffentliche Behandlung des Themas Schächten sprechen:

  1. Man soll Themen ansprechen, bei denen die Erfolgsaussicht möglichst groß ist. Und dies ist naturgemäß dort der Fall, wo man möglichst viele Menschen mobilisieren kann. Voraussetzung hierfür ist seinerseits, daß möglichst wenige Menschen in die betreffende Praxis persönlich involviert sind. Genau dies ist beim Schächten der Fall: Nur sehr wenige Menschen verlangen nach Fleisch, das von geschächteten Tieren stammt.
  2. Man soll Themen ansprechen, die ohnehin bereits diskutiert werden, weil man dann nicht mehr "bei Null" beginnen muß, sondern auf ein vorhandenes Kritikpotential aufbauen kann. Auch dies ist beim Schächten der Fall.
  3. Man soll Themen anprechen, die ohnehin bereits diskutiert werden, weil man anderenfalls Gefahr läuft, seine Identität und Glaubwürdigkeit als Tierrechtler zu verlieren: Wenn bereits vorhandene Tier-Themen gerade von Tierrechtsverbänden nicht angesprochen werden, fragt man sich unwillkürlich: Wofür sind die denn dann eigentlich da? Das wäre so, wie wenn sich eine christliche Partei nicht zum Thema Zölibat äußerte oder eine sozialdemokratische Partei keine Position zum Thema Kündigungsschutz hätte.

Und wer, wenn nicht Tierrechtsorganisationen soll zuständig sein, wenn es um das vorsätzliche und systematische quälerische Töten von Tieren geht?

© Helmut F. Kaplan


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