Aufhauser schadet den Tieren!


Anläßlich des jüngst ausgestrahlten TV-Films mit Michael Aufhauser möchte ich hiermit meinen programmatischen Aufhauser-Text in gekürzter und aktualisierter Form wiederveröffentlichen. Je erfolgreicher Aufhauser seine abartige Botschaft verbreitet, desto größer der Schaden. Wenn die Medien ihm weiterhin so treuherzig und kritiklos aus der Hand fressen, könnte die Tierrechtsbewegung im deutschsprachigen Raum um Jahrzehnte zurückgeworfen werden.

Merkwürdige Philosophie

Im Meinungsforum des Salzburger Fensters vom 13. März 2002 beschreibt Aufhauser den Zweck seines Gut Aiderbichl so: "Ich möchte mit dem Gut ein sichtbares Symbol für die Würde des Tieres schaffen!" Es soll "vorgeführt werden, wie empfindsam" Tiere sind. Und: "Gut Aiderbichl soll sensibilisieren."

Wofür sensibilisieren, fragt man sich allerdings, wenn man weiter liest: "Die Tatsache, dass die Tiere von Gut Aiderbichl letztendlich nicht zum Schlachter kommen, soll die Fleischproduktion nicht in Frage stellen."

Wenig erhellend auch die Information: "Die Tiere auf Gut Aiderbichl ... haben ... eine Art Diplomatenrolle für ihre Artgenossen." Das ist so, wie wenn ich ein Vorzeigeheim für mißbrauchte Kinder errichte, diese Kinder dann zu Diplomaten für all ihre Leidensgenossen erkläre, um dann festzustellen: Die Tatsache, daß diese Kinder nicht mehr mißbraucht werden, soll den Kindesmißbrauch an sich nicht in Frage stellen.

Bemerkenswert auch Aufhausers Warhnehmungen in bezug auf Bauern: Seine Mitarbeiter, die allesamt Bauernfamilien entstammten, brächten "ein großes Gespür für die Tiere ... mit." Außerdem sei der Salzburger Bauer "zu Recht stolz auf das beispielhafte Verhältnis zu seinen Tieren." Und überhaupt: "Bauern sind Tierschützer der vernünftigen Art."

Man sieht: Zunehmend wird es überflüssig, Aufhausers Aussagen zu kommentieren, sie sprechen für sich – und gegen ihn. Spätestens bei folgender Bemerkung läßt man alle Hoffnung auf Logik und Vernunft fahren: "Tierschutz heißt auch, dem Beruf des Metzgers die entsprechende Achtung entgegen zu bringen." Und schließlich, völlig irrwitzig, Aufhausers Zukunftsvision:

"Freier Handel bedeutet ja nicht nur Import. Österreichische Produkte können ebenso exportiert werden. Ich denke da zum Beispiel an hochwertige Eier .... Oder der Tafelspitz als Export-Markenartikel ... mit einer Empfehlung von Gut Aiderbichl, das den Menschen in Deutschland mittlerweile auch bekannt ist. Utopie?"

Nein, keine Utopie, sondern Schwachsinn! Den Namen eines Tierasyls als Gütesiegel für Tierleichen zu vermarkten, ist abartig!

Gefährlicher Unsinn

Unsinn zu reden, ist niemals harmlos. Dies aber obendrein quasi unter falschem Namen zu tun, ist doppelt gefährlich. Wer etwa sagt, Menschen umzubringen, sei nicht weiter schlimm, solange man dabei nur ihre Würde respektiere, ist gefährlich. Wer aber diese Aussage im Namen der Menschenrechte macht, ist noch viel gefährlicher: Weil er zusätzlich die Bewegung, die Menschen schützen soll, ruiniert, indem er sie ad absurdum führt!

Genau das macht Aufhauser. Er sagt, Tiere umzubringen, sei schon in Ordnung, solange man dabei nur ihre Würde respektiere. Und er sagt dies als "Tierrechtler". Das ist wichtig! Aufhauser sieht sich selbst als Tierrechtler ("Förderkeis für Tierrechte", "Privatstiftung für Tierrechte") und er wird von den Medien als Tierrechtler gesehen (zum Beispiel bei TV-Sendungen regelmäßig als solcher angekündigt).

Aufhausers Aussagen schaden den Tieren, weil sie keinen Fortschritt in Richtung Befreiung der Tiere darstellen oder bewirken, sondern im Gegenteil für Stillstand und Rückschritt stehen:

Stillstand: Die katastrophale Botschaft Aufhausers lautet: Leute, ihr braucht euer Verhalten nicht zu ändern, ihr könnt ruhig weiter Fleisch essen und ihr braucht dabei auch kein schlechtes Gewissen zu haben!

Rückschritt: Die Tierrechtsbewegung bemüht sich seit über 25 Jahren in mühseliger Kleinarbeit, die jahrhundertealte Vorstellung, daß Tiere essen und Tiere schützen vereinbar sei, als verhängnisvollen rationalen und ethischen Unsinn zu entlarven. "Tierrechtler" Aufhauser schickt sich an, eben diesen Unsinn quasi flächendeckend zu plakatieren.

Bedenkliche Wirkung

Aufhausers abenteuerliche Rückreise in den unbekümmerten, naiven und irrationalen Speziesismus ist auch das Geheimnis seiner großen Beliebtheit. Da kann und will jeder mitmachen: Weiter Fleisch essen, lustig sein und dabei ein gutes Gewissen haben!

Nichts zu fordern und nichts zu bewirken – das ist Aufhausers "Erfolgsrezept,l": Er trifft sich wahllos mit beliebigen Society-Deppen, die irgendetwas vom Liebsein zu Tieren ins Mikrofon faseln – um schon im nächsten Augenblick und auch noch nach einem Jahr wieder in ihr Schnitzel zu beißen oder auf die Jagd zu gehen. Aufhausers Promi-Freunde beweisen ununterbrochen vor laufender Kamera, daß sie von Aufhauser nichts gelernt haben. Und Aufhauser scheint das auch nicht zu stören. Hauptsache, wieder ein tolles Foto für die Medien!

Schließlich zu einer besonders bedenklichen Konsequenz von Aufhausers "Philosophie": Mit seinem ewigen Gerede von der Freundlichkeit, Vernünftigkeit und Achtbarkeit von Bauern und Metzgern und der damit notwendig einhergehenden Verleugnung der grauenhaften Realtität richtet Aufhauser einen kaum mehr wiedergutzumachenden Schaden an: Wenn ohnehin im Grunde alles in Ordnung ist, wozu dann die ganze Aufregung, wozu dann die ganzen Aktionen der Tierrechtler? "Der Aufhauser sagt ja auch ...!" droht zum ultimativen Totschlagargument der Tierschinder zu werden!

Notwendige Konsequenz

Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder Aufhauser ändert seine Aussagen in Richtung Tierrechte. Oder er gibt seiner "Philosophie" einen passenden Namen, etwa "Umbringen mit Herz" oder "Ausbeuten mit Würde". Daß er weiter den Terror gegen Tiere im Namen von Tierrechten propagiert, darf nicht länger hingenommen werden.

Das heißt nun überhaupt nicht, daß er sofort alle Menschen zu Vegetariern oder Veganern machen muß. Worum es geht, ist, Schritte in die richtige Richtung zu setzen bzw. zu bewirken. Und dies beinhaltet, wie ich in meinem Text "Eine Reise von zehntausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt" ausgeführt habe, viele Möglichkeiten:

Wenn jemand, der bis jetzt 20 % vegane Lebensmittel gegessen hat, nunmehr 40 % vegane Lebensmittel ißt, so ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn ein Fleischesser zum Vegetarier wird, so ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn ein Fleischesser, der bisher zehn Wurstsemmeln pro Woche gegessen hat, nur mehr fünf ißt, so ist das ein Schritt in die richtige Richtung. Und wenn jemand, der noch nie über Tierrechte nachgedacht hat, beginnt, über Tierrechte nachzudenken, so ist das ein Schritt in die richtige Richtung.

Entscheidend ist, um es bildlich auszudrücken, Hinweisschilder in Richtung Befreiung der Tiere, also in Richtung Beendigung der Ausbeutung von Tieren aufzustellen. Was Aufhauser macht, ist, Schilder aufzustellen, die die Menschen zum Stehenbleiben und Rückwärtsgehen ermuntern.

© Helmut F. Kaplan


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