Abu in Abu Ghraib


"Es schmerzt mich, daß es nie zu einer Erhebung der Tiere gegen uns kommen wird, der geduldigen Tiere, der Kühe, der Schafe, alles Viehs, das in unsere Hand gegeben ist und ihr nicht entgehen kann. Ich stelle mir vor, wie die Rebellion in einem Schlachthaus ausbricht und von da sich über eine ganze Stadt ergießt ...." (Elias Canetti)

Die Rebellion könnte auch in einem Zoo ausbrechen. Daß der Elefant Abu im Schönbrunner Zoo seinem Pfleger tödliche Verletzungen zugefügt hat, ist eine sehr traurige Sache. Der Vorfall ist darüber hinaus auch noch tragisch, weil dieser Pfleger offensichtlich zu jenen Menschen gehörte, die für die Tiere noch am meisten Verständnis hatten. Aber bei aller Dramatik, Trauer und Tragik darf man nicht die unbestreitbare Grundkonstellation übersehen: Ein unschuldig Eingesperrter läßt seinen Zorn, seine Wut, seine Verzweiflung, was auch immer, an seinem Gefängniswärter aus.

Zoos sind aber nicht nur Gefängnisse, sondern auch Stätten täglichen offenen und versteckten Terrors. Im Falle von Abu ging es unter anderem um angeblich notwendige "Disziplinierungsmaßnahmen" und um die gewaltsame Trennung von seiner Mutter. Wer Teil eines erbarmungslosen Terrorapparates ist, muß auch damit rechnen, daß sich die Opfer einmal wehren.

Wichtig ist auch zu wissen, daß die Brutalität, Rücksichtslosigkeit und Gemeinheit, die dem Umgang mit Elefanten zugrundeliegen, das Verhalten gegenüber ALLEN Tieren bestimmen! Alle werden diszipliniert, sprich: tyrannisiert, von ihren Familien getrennt, verkauft und umgebracht – wie es die "wissenschaftlichen" und ökonomischen Rahmenbedingungen des weitverzweigten Terrornetzwerkes Zoos eben verlangen. Das Außergewöhnliche an diesem Fall ist lediglich, daß sich hier ein Tier aufgrund seiner Größe und Stärke einmal ausnahmsweise wirksam wehren konnte.

Deshalb ist es höchste Zeit, alle Zoo-KZs zu schließen. Tiere brauchen weder Menschen, die sie "disziplinieren", noch Menschen, die sie von ihren Eltern, Kindern oder Partnern wegreißen. Ich rufe allen Tieren zu: Wehrt euch, wo ihr könnt, ihr habt alles Recht der Welt dazu!

© Helmut F. Kaplan


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