Mord per Maus


Seit einigen Monaten berichten Medien über eine neue Jagdpraxis. Offenkundig geht es darum, mittels diverser technischer Einrichtungen (Kamera, Computer usw.) von zuhause aus per Mausklick reale Tiere real erschießen zu können. Die allseitige Empörung ist groß.

Warum eigentlich? Ich kann beim besten Willen keinen moralisch entscheidenden Unterschied zwischen diesem "modernen" Morden und dem "traditionellen" Morden in Form der herkömmlichen Jagd erkennen. Was ich einzig und allein sehe, ist eine technische Weiterentwicklung eines bekannten Verbrechens. Vergleichbar etwa der Modernisierung eines KZs: Wo früher das Gift vor Ort und per Hand in die Gaskammer gekippt wurde, erfolgt dies nun per Knopfdruck von der Einsatzzentrale aus. Aber Mord bleibt natürlich Mord – egal, wie groß die räumliche Entfernung zwischen Tätern und Opfern ist, und egal, welcher technischer Hilfsmittel sich die Täter bedienen.

Auch für die Opfer ändert sich kaum etwas: Ob sich ihre Mörder zur Tatzeit in unmittelbarer Nähe befinden oder in hundert Meter oder tausend Kilometer Entfernung, ist letztlich egal. So, wie es im Krieg letztlich egal ist, ob man "traditionell" erschossen oder von einer Bombe getötet wird, die aus tausend Metern Höhe abgeworfen wurde.

Und auch im Hinblick auf weitere Kontexte ist zwischen "traditioneller" Jagd und Jagd per Mausklick nirgendwo ein entscheidender moralischer Unterschied in Sicht. Etwa in bezug auf die angebliche ökologische Notwendigkeit der Jagd: Es gibt auch jede Menge "normaler" Jagdveranstalter, die sich keinerlei Mühe geben, das angepriesene Lustmorden irgendwie – geschweige denn schlüssig oder glaubwürdig – ökologisch zu rechtfertigen.

Am Morden per Mausklick ist nichts verwerflicher als am Morden per Schießeisen. Deshalb ist diese neue Mordmethode in gewisser Weise sogar zu begrüßen: Sie bietet eine großartige Gelegenheit, eindrucksvoll zu zeigen, daß ihre offenkundige Abstrusität und Abscheulichkeit nicht minder auf die "traditionelle" Jagd zutreffen.

© Helmut F. Kaplan


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