Arnold Schwarzenegger – einer von uns?


Die Entscheidung des kalifornischen Gouverneurs Arnold Schwarzenegger, den zum Tode verurteilten Stanley Williams nicht zu begnadigen, hat bekanntlich einigen Staub aufgewirbelt. Die Reaktionen reichten von moralischer Empörung bis zu peinlichen Ergebenheitsadressen an den „Terminator“. Quasi eine Ebene darüber wurde nicht minder heftig darüber diskutiert, inwiefern diese Reaktionen ihrerseits berechtigt seien.

Wie das meiste, das in Österreich passiert, entbehrt auch diese Geschichte nicht ihrer (halb)lustigen Seiten. So sprach der Polit-Hetzer und Ausländerfeind FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache offenbar in vollem Ernst von den USA als „Vorzeigedemokratie“. Und der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl ortete in der ganzen Aufregung um Schwarzeneggers Entscheidung eine „Provinzposse“ - ohne zu bemerken, daß er selbst darin die Hauptrolle spielte: Obgleich selber angeblich Gegner der Todesstrafe, flehte er in weinerlicher und unwürdiger Weise Schwarzenegger an, seiner Heimat doch um Himmels willen nicht die patriotische Zuneigung zu entziehen.

Zurück zum Anlaßfall. Rechtlich kann man die Sache gewiß differenziert sehen und kontrovers diskutieren. Eine mögliche Position ist, daß man sagt: Gut, in den USA haben sie eben diese Gesetze und das müssen wir, ob es uns gefällt oder nicht, respektieren. Und daß Schwarzenegger im Rahmen dieses Systems agieren wird und muß, hat man schon vor seiner Wahl gewußt.

Ein schon bedenklicheres Bild scheint sich bei etwas näherer Betrachtung zu ergeben. Offenbar ist Schwarzeneggers Entscheidung nämlich vor allem politisch, wenn nicht gar egoistisch motiviert: Sie soll rechte Republikaner besänftigen und so seine Chancen, wiedergewählt zu werden, verbessern.

Rein moralisch betrachtet ist der Fall freilich völlig klar: Schwarzenegger hatte es in der Hand, zwischen Leben und Tod zu entscheiden – und entschied sich für den Tod. Er befand sich also in der gleichen Situation, in der sich alle Fleischesser täglich befinden – und entschied sich wie diese.

© Helmut F. Kaplan


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