Ohne (Religions-)Freiheit kein Frieden -
Grußadresse für die Veranstaltungsreihe "Religionsfreie Zone München 2006"


Als Vertreter der Tierrechtsbewegung fällt es mir besonders leicht, das Christentum zu kritisieren. Die christlichen Dogmen von der Gottesebenbildlichkeit des Menschen und von seiner exklusiven Vernunftbegabtheit und unsterblichen Seele sind die wichtigsten Einzelursachen für unseren teuflischen Umgang mit Tieren: für die grauenhaften Tierversuche, für die schreckliche Massentierhaltung, für das barbarische Abschlachten zwecks Haut-, Pelz- Fleischgewinnung usw.

Das Christentum kämpft auch hier an vorderster Front gegen die Wirklichkeit: Nicht die Evolution und ihre Gesetzmäßigkeiten seien die Grundlage für das Leben auf Erden, sondern der Wille und das Wirken Gottes - vor allem wenn es um die phänomenale Einzigartigkeit des Menschen geht.

Das alte Programm also: Leugnen, so lange es geht. Daß sich die Erde um die Sonne dreht, wurde schließlich auch erst akzeptiert, als es gar nicht mehr anders ging. Und noch immer wird geleugnet, daß Menschen und Tiere das Ergebnis EINER Evolution sind - und es daher die behauptete moralische Kluft zwischen Menschen und Tieren nicht geben kann.

Und was ist mit der religionsfreien Zone? Der logische Ort einer notwendigen religionsfreien Zone ist jener Bereich, in dem die gesellschaftlichen Grundwerte formuliert werden: Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit sowie die daraus resultierenden Menschen- und Tierrechte können und werden nur dann allgemein respektiert werden, wenn sie allgemein akzeptabel, also religionsfrei, begründet werden.

© Helmut F. Kaplan


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