Weltuntergang wünschenswert?
- Bemerkungen zur Wiederaufnahme des Wettrüstens


Die aktuellen Initiativen in Richtung Wiederingangsetzung des globalen Wettrüstens rufen bei jenen, die alt genug sind und aufrichtig genug waren, jenes Gefühl hervor, das sie bereits vor zwanzig, dreißig Jahren hatten: Angesichts der aberwitzigen Überrüstung ist es nur mehr eine Frage der Zeit, bis wir uns aus Dummheit, Bösartigkeit oder Versehen selbst in die Luft jagen.

Und was bedeutet dies für die Tiere und für die Tierrechtsbewegung? Nüchtern betrachtet ist die Chance, daß die Tierrechtsbewegung in absehbarer Zukunft einen substantiellen Durchbruch erlebt, ebenso gering wie die Chance, daß wir aus dem Rüstungswahn noch einmal herauskommen. Deshalb wäre der Weltuntergang für die Tiere eigentlich ein Segen. Denn damit fände das grauenhafte Leben und Leiden, das wir ihnen bereiten, ein Ende.

Das muß man sich veranschaulichen und vergegenwärtigen: Wir bereiten den Tieren eine so elende Existenz, daß die ultimative Katastrophe für sie eine Erlösung wäre! "Die Barmherzigkeit der Bombe" kommt mir da in den Sinn - der Titel eines Aufsatzes, den ich (noch) nicht geschrieben habe.

Und was bedeutet dies ganz konkret für moralisch denkende Menschen im allgemeinen und für Tierrechtler im besonderen? Wenn wir hochfliegende Hoffnungen auf eine "Verbesserung der Welt" zeitlich und zahlenmäßig auf ein realistisches Maß reduzieren, so erscheinen Bemühungen zur Mehrung des Glücks und zur Verringerung des Leidens nach wie vor sinnvoll. Denn wenn wir auch nicht DIE Menschen oder DIE Tiere retten können, so können wir einzelnen Menschen und einzelnen Tieren sehr wohl helfen, sie glücklich machen - oder zumindest weniger unglücklich machen. Leiden lindern und Glück fördern sind Werte an sich. Letztlich vielleicht die einzigen Werte überhaupt.

© Helmut F. Kaplan


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