Der Mensch: Meistens moralisch minderwertig


So wichtig es ist, auf die Einheit der Ethik zu verweisen, also darauf, daß derjenige, dem die Menschen wirklich ein Anliegen sind, sich auch um Tiere kümmert, und derjenige, dem die Tiere wirklich ein Anliegen sind, sich auch um Menschen kümmert - so unerläßlich ist es auch, folgenden quasi ökonomischen Aspekt zu berücksichtigen:

Wer viel Energie für bestimmte Menschen oder Tiere investiert, dem bleibt wenig Energie für andere Menschen oder Tiere übrig. Deshalb muß schon die Entscheidung darüber, WEM wir vorrangig unsere ethische Energie widmen wollen, von Vernunft und Verantwortungsbewußtsein getragen werden.

Nun ließe sich gewiß lange über angemessene Entscheidungskriterien dafür diskutieren, wem wir vorrangig unsere moralische Zuwendung schenken sollten. Zweierlei erscheint aber doch recht naheliegend: Unsere Entscheidung soll sich nicht an Äußerlichkeiten wie etwa biologische Klassifizierungen orientieren. Und die moralischen Verdienste und Verfehlungen der Betroffenen sollten nicht unberücksichtigt bleiben.

So wäre es beispielsweise wohl schwer zu rechtfertigen, unser Gut-sein-Wollen und Gut-sein-Können anstatt an unschuldigen Tieren an moralisch besonders minderwertigen Menschen auszuleben. Etwa an jemandem, der sich absolut keine Mühe gibt, gut, gerecht oder rücksichtsvoll zu sein. Denn die ethische Energie, die wir diesem Menschen widmen, ginge zu Lasten unschuldiger Tiere.

Womit wir beim moralischen Status bzw. beim moralischen Verhalten von Tieren wären (wobei wir die Frage, welche Tiere im einzelnen in welchem Maße moralfähig sind, hier ausklammern wollen). Nicht moralfähige Tiere sind quasi "von Natur aus vollkommen": Was immer sie tun, "sollen" sie auch tun. Und Tiere, die moralisch handeln können, sind uns moralisch in aller Regel haushoch überlegen! Wer dies bezweifelt, werfe einen Blick auf seine Mitmenschen: Die meisten Menschen sind doch meistens so schlecht, wie es ihre Möglichkeiten eben gerade zulassen.

© Helmut F. Kaplan


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