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Groß ist momentan das Entsetzen darüber, daß die mutmaßlichen Attentäter von London und Glasgow überwiegend Ärzte waren. Das ist in der Tat beunruhigend. Nur: Daß Ärzte töten, ist doch nichts Neues! Man denke etwa an die Doktoren, die über Jahre und Jahrzehnte Gefälligkeitsgutachten für die Zigarettenindustrie erstellten. Wenn man deren Motive mit jenen der Terrorärzte vergleicht, schneiden letztere moralisch wohl noch besser ab. Und daß an den Händen der gekauften Gutachter das Blut ihrer zehntausenden Opfer nur im übertragenen Sinne klebt, macht diese auch nicht wieder lebendig. Eine nicht weniger erstaunliche Wahrnehmungsverzerrung finden wir, quasi eine Ebene tiefer, bei der fleischessenden Normalbevölkerung: Wie schrecklich und unverständlich finden es doch alle, wenn sie in der Zeitung von Menschen lesen, die aus trivialsten Gründen einen Mord begehen. Aber gibt es einen trivialeren Grund, jemanden umzubringen oder umbringen zu lassen, als den Wunsch nach einem bestimmten Geschmackserlebnis?
© Helmut F. Kaplan Themenverwandte Artikel: |
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