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Meine Damen und Herren, ich freue mich sehr über diesen Preis - nicht nur aus persönlichen, sondern auch aus strategischen Gründen. Warum? Ich habe immer gesagt: Um erfolgreich sein zu können, muß die Tierrechtsbewegung das ganze Spektrum möglicher Haltungen und Handlungen abdecken, insbesondere auch das ganze Spektrum von "gemäßigt" bis "radikal". Deshalb muß endlich Schluß sein mit der unsinnigen Kritik der "Gemäßigten" an den "Radikalen" und der "Radikalen" an den "Gemäßigten". Mit dieser Preisverleihung an mich, einen "Radikalen", dokumentiert die Hans Rönn-Stiftung, daß sie sich nicht am schädlichen internen Auseinanderdividieren in der Tierrechtsbewegung beteiligt. Deshalb freue ich mich auch aus strategischen Gründen über diesen Preis: weil er einen Beitrag in Richtung Einheit der Bewegung darstellt.
Aber: Eine besonders engagierte und konsequente - eine radikale Vorgangsweise wird immer wichtiger. Denn wer Augen und Ohren nicht vor der Realität verschließt, kann unmöglich übersehen, daß es in bezug auf Tierrechte nicht nur Stagnation, sondern sogar Rückschritte gibt. Ein paar Beispiele:
Angesichts dieser Situation von Stagnation und
Rückschritten wäre es wohl absurd zu sagen: Unsere bisherigen Bemühungen haben offenkundig
nicht ausgereicht - also wollen uns mal in Mäßigung üben! Die naheliegendere Reaktion ist
wohl, in Zukunft einen klareren, konsquenteren, radikaleren Kurs zu fahren. Der wichtigste Grund für eine radikalere Vorgangsweise ist
aber die Bekämpfung des schlimmstmöglichen Rückschritts: daß die allgegenwärtige
Tierausbeutung (wieder) mit einem guten Gewissen verknüpft wird. Mit anderen Worten:
daß die wichtigste Errungenschaft der Tierrechtsbewegung zunichte gemacht wird - die
Sensibilisierung der Menschen für die Unmoral unseres Umgangs mit Tieren. Diese Sensibilisierung für das Unrecht gegenüber Tieren,
die in mühseliger, jahrzehntelanger Kleinarbeit aufgebaut wurde, ist im Begriffe,
wieder zunichtegemacht zu werden. Dabei handelt es sich um keine abstrakte Gefahr,
sondern um eine beobachtbare Entwicklung, deren derzeit stärkste Antriebskraft unschwer
identifizierbar ist: der alle Vernunft erstickende irrationale Gefühlsbrei, mit dem
Michael Aufhauser den deutschen Sprachraum überzieht. Ich habe es mir sehr, sehr genau überlegt, ob ich
diese Kritik so konkret formulieren soll - verstößt sie doch scheinbar gegen das
eingangs erhobene Einheitsgebot. Aber eben nur scheinbar. Denn mit jemandem, der
RÜCKSCHRITTE forciert und bewirkt, ist ein gemeinsames Ziehen an einem Strang
sowieso nicht möglich! Oder, um es anhand einer mittlerweile sprichwörtlichen
Einladung des ehemaligen österreichischen Bundeskanzlers Bruno Kreisky zu erläutern:
Kreisky schlug (in Richtung FPÖ) vor: Laßt uns ein Stück des Weges gemeinsam gehen.
Mit jemandem, der wie Aufhauser rückwärts geht, kann man nicht gemeinsam vorwärts
gehen! Ich bin endlos dafür kritisiert worden, daß ich alle
Schritte vorwärts, also alle Schritte in die richtige Richtung, begrüße: wenn ein
Vegetarier Veganer wird, wenn ein Fleischesser Vegetarier wird, wenn ein Fleischesser
weniger Fleisch ißt, wenn jemand über Tierrechte nachzudenken beginnt. Alle diese Schritte sind zu begrüßen, weil sie
Schritte in die richtige Richtung sind. Aber wenn Aufhauser den Menschen sagt:
Ihr könnt so viele Tiere essen, wie ihr wollt, ihr müßt dabei nur ihre Würde
respektieren - dann ist das kein Schritt in die richtige Richtung! Aufhauser
winkt die Menschen, die sich eben zaghaft vorwärts zu bewegen begannen, zurück
und ermuntert sie, es sich wieder in der alten verlogenen Tierschutzecke gemütlich
zu machen: Ihr könnt Tiere gerne haben UND Tiere essen. Das ist der schlimmste, schädlichste Rückschritt der
überhaupt nur denkbar ist: Den Fleischessern jenes gute Gewissen zurückzugeben,
das sie vor Entstehung der Tierrechtsbewegung hatten. Dieser schleichenden
Verdummung und Verharmlosung kann überhaupt nicht laut, deutlich und radikal
genug entgegengetreten werden!
© Helmut F. Kaplan
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