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Es gibt wohl viele Gründe dafür, daß die Tierrechtsbewegung nicht funktioniert. Ich will einen herausgreifen: den Kuschelkurs von Tierrechtlern gegenüber Tiermördern. In diesem Zusammenhang fällt mir immer ein Gespräch mit Michael Aufhauser ein, in dem er mir erläuterte, daß man alles negativ oder positiv sehen könne. Da die Menschen nun einmal leichter mit positiven Botschaften motivierbar seien, sollte man sein Handeln danach ausrichten. Damit meinte er wohl, daß es beispielsweise zielführender sei, anstatt die Menschen mit Schlachthausbildern zu "bombardieren", ihnen schöne Bilder von Gut Aiderbichl zu zeigen. Das klingt zugegebenermaßen gut und hat mich seinerzeit auch überzeugt. Nur: Es funktioniert nicht. Bei Aufhauser nicht und auch sonst nicht: Von wenigen und unwichtigen Ausnahmen abgesehen, agiert die Tierrechtsbewegung seit jeher äußerst zurückhaltend und vorsichtig - um nur ja niemanden zu verunsichern, abzuschrecken, vor den Kopf zu stoßen. Das gilt auch und vor allem für die Werbung für vegetarische oder vegane Produkte: Es wird praktisch ausnahmslos freundlich und harmlos formuliert - meist in Richtung: Schaut her liebe Leute, wir sind total normal - so wie ihr halt. Aber probiert doch mal zwischendurch dieses tolle fleischlose Produkt. Es schmeckt super und ist voll gesund. Ihr müßt auch überhaupt nicht mit dem Fleischessen aufhören. Im Grunde sind wir uns doch einig: Modern leben, natürlich genießen, Spaß haben! Nun war es sicher richtig, diese Harmlos-Strategie auszuprobieren. Aber jetzt, wo man sieht, daß sie nicht funktioniert, sollte man auch einmal etwas anderes versuchen. Zum Beispiel, bei der Werbung für vegetarische oder vegane Produkte den Punkt, um den es wirklich geht, ansprechen: Wer Fleisch ißt, beteiligt sich am industrialisierten Massenmord. Und bei jedem Einkauf hat man die Möglichkeit, seine Beteiligung an diesem Massenmord aufzukündigen - und obendrein ein Signal an andere zu senden. Konkrete Werbebotschaften wären etwa: Die Anti-Raucher-Kampagne war schließlich auch nicht mit windelweichen Tipps der Art "Öfter mal statt eine Zigarette rauchen einen Apfel essen!" erfolgreich. Hier wurde Klartext gesprochen - und damit ein sagenhafter Erfolg erzielt! Vielleicht funktioniert das bei der Werbung für vegetarische und vegane Produkte ja auch überhaupt nicht. Durchaus möglich. Aber probieren sollte man es. Es könnte ja auch klappen. Zum Beispiel dahingehend, daß unter jungen Menschen, Schülern, Studenten, eine Bewegung dergestalt entsteht, daß man zum anderen sagt: "Was, du ißt (noch) Leichen, schämst du dich eigentlich gar nicht?" "Findest du es eigentlich in Ordnung, andere sterben zu lassen, damit du bestimmte Geschmackserlebnisse hast?" "Würdest du auch deinen Hund aufessen?" Wie auch immer das Experiment ausginge - eines würde mit Sicherheit erreicht: daß die grauenvollen Fakten über das Fleischessen, das unvermeidliche Foltern und Morden, in die Medien käme. Und das ist immerhin die notwendige Voraussetzung für jegliche Entwicklung in Richtung Vegetarismus und Veganismus: das Verbreiten der fürchterlichen Wahrheit hinter dem Fleischessen.
© Helmut F. Kaplan
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