
Kompendium
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Diplomarbeit von Astrid
Kaplan:
Zum Verhältnis
von Mensch und Tier
unter Berücksichtigung
der hierbei auftretenden
rationalen und emotionalen Widersprüche
3. WIDERSPRÜCHE
IN DER MENSCH-TIER-BEZIEHUNG
Die Widersprüche in der Mensch-Tier-Beziehung
scheinen zahlreicher zu sein als die verschiedenen Formen von Beziehungen,
die wir zu Tieren haben. So unterscheiden wir zwischen Heim- und Hobbytieren,
Nutztieren, Versuchstieren, Zootieren, Zirkustieren, Wildtieren, Pelztieren,
Tieren in der Jagd, Tieren im tierquälerischen Brauchtum (Stierkampf,
Rodeo, Hahnen- und Hundekämpfe) und Tieren für die Therapie.
Massive Widersprüche manifestieren sich in unterschiedlichen Einstellungen
und Verhaltensweisen zu Tieren. Manche Tiere behandeln wir sehr, sehr
gut, andere Tiere behandeln wir sehr, sehr schlecht. Zwischen diesen
Tieren gibt es jedoch moralisch keinen relevanten Unterschied. Ein Beispiel
dafür ist die gänzlich konträre Behandlung von Hunden
und Schweinen in unserer Kultur. Schweine sind nicht weniger intelligent
als Hunde. Sie sind gesellige und saubere Tiere, wenn man sie zähmt,
werden sie ebenfalls zu sogenannten liebenswerten Hausgenossen. Es gibt
jedoch einen gesamtgesellschaftlichen Konsens, der in bezug auf Hunde
und Schweine dahingehend formuliert wird: Zu Hunden soll man gut sein,
sie sind unsere Heimtiere, Schweine sind für die Fleischproduktion
da.
Vergleicht man verschiedene Kulturen,
stößt man ebenfalls auf gegensätzliche Mensch-Tier-Beziehungen:
So ist beispielsweise die Kuh in Indien heilig und es ist ein Tabu,
sie zu schlachten und zu essen. Auf Grund dessen laufen die Kühe
in Indien frei umher, können sich ungehindert vermehren, und das
in einer Gesellschaft, wo täglich Menschen verhungern. Dagegen
werden in Europa und Nordamerika, wo die Menschen einen sehr hohen Lebensstandard
genießen, Kühe regelrecht als Hamburger auf Beinen oder lebende
Milchbars betrachtet. Andererseits wird der Hund im Westen schon fast
ebenso gesehen wie die Kuh in Indien. Er wurde zum besten Freund des
Menschen und wird oft als Mitglied der Familie eingeschätzt. Es
wäre undenkbar, in Europa oder in den USA einen Hund zu verzehren.
In den meisten Teilen des Mittleren Ostens hingegen, werden Hunde mit
allem Schmutzigen und Unwürdigen identifiziert und geschmäht.
In China, Korea und auf den Philippinen jedoch sieht man der Zubereitung
eines Hundes als Mahlzeit mit Begeisterung zu (vgl. SERPELL 1990, S.
7).
Dies waren zwei Beispiele für Widersprüche in der Beziehung
zu Tieren zwischen unterschiedlichen Kulturen. Ich möchte mich
im folgenden auf widersprüchliche Beziehungen zu Tieren in der
westlichen Welt konzentrieren. Hier gibt es unzählige emotionale
und rationale Widersprüche in der Mensch-Tier-Beziehung. Die Beispiele
dazu stammen einerseits aus dem faktischen Umgang mit Tieren, der in
vielen Veröffentlichungen beschrieben wurde, und andererseits aus
typischen Argumenten gegen den Vegetarismus bzw. für die Ausbeutung
von Tieren. Diese 'typischen' Argumente kenne ich aus vielen selbst
geführten Diskussionen zum Thema 'Vegetarismus', aus Vorträgen,
Fernsehdiskussionen und entsprechender Literatur.